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Kommentar

Kommentar vom 10.05.2011

Wenn der Volkszähler zweimal klingelt - Hoch ging es her in den 80er-Jahren in West-Deutschland, als eine Volkszählung angekündigt wurde. Es gab Massenproteste und Boykottaufrufe. Und der Staat zog in dieser Sache eine Null-Toleranz-Linie durch. Das war nicht so toll. 2011 ist es wieder soweit. Die Deutschen und ihre ausländischen Mitbürger müssen wieder durchgezählt werden, denn so wird vermutet: sie sind deutlich weniger geworden. Zwar muss man sich in diesem Land brav an- und wieder abmelden, wenn man umzieht und jeder Bürger muss bekanntlich spätestens nach zehn Jahren einen neuen Personalausweis beantragen, aber all dies scheint nicht verhindern zu können, dass mehr als eine Millionen Menschen, die amtlicherseits in den Statistiken noch auftauchen, gar nicht mehr da sind. Einfach verschwunden und das darf natürlich nicht sein.

Ganz so rigide wie noch 1987 wird die Volkszählung 2011 aber nicht sein. Es ist nur ein Zensus, bei dem zunächst nur alle Immobilienbesitzer befragt werden. Außerdem sollen rund 10% der Gesamtbevölkerung, rein zufällig ausgewählt, von Interviewern detaillierter befragt werden. Seit gestern sind die Interviewer unterwegs und wer blöderweise die Tür aufmacht, weil er gerade den Pizzaboten erwartet hat, muss die Fragen beantworten. Sonst gibt es Geldstrafe.

An sich ist ja gegen eine Volkszählung nichts einzuwenden, denn wenn die Statistiken fehlerhaft sind, sollen sie selbstverständlich korrigiert werden. Es ist aber fragwürdig, dass Deutschland wieder mal über das Ziel hinausschießt und Fragen stellt, die seitens der EU gar nicht gefordert sind. Auch wenn der Staat diesmal etwas diplomatischer vorgeht als noch 1987, macht er sich doch verdächtig, dass er Fragen nach Religionsangehörigkeit und Migrationshintergrund stellt. Es gibt keinen plausiblen Grund, danach zu fragen: Religion ist Privatsache und die Frage nach der Herkunft riecht nach Deutschtümelei.

Angeblich würden die Daten nicht an weitere Behörden weitergegeben. Dann aber stellt sich die Frage, was der Nutzen von dem Ganzen ist. Erste Ergebnisse soll es Ende 2012 geben. Dann sind die Daten aber schon wieder veraltet. Hochgerechnet werden dann schon wieder rund 100.000 Einwohner spurlos verschwunden sein – verglichen mit dem Zensus zum Stichtag 9. Mai 2011.

(Oliver Kröning)

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