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Kommentar

Kommentar vom 02.01.2004

Spitzelschwemme - Alle Jahre wieder kommt der Weihnachtsmann. Diesmal bescherte er uns für das Neue Jahr zweifelhafte Reformen und hat zudem erbarmungslos aufgedeckt. Denn zum heiligen Abend platzierte er die Nachricht, dass im Thüringer Innenministerium 1800 ehemalige Stasimitarbeiter enttarnt wurden, und die Hälfte davon ab jetzt dem freien Arbeitsmarkt zur Verfügung stehen. Will sagen: sind freigesetzt. Oder: Können ihre Kreativität anderweitig ausprobieren. Oder marktwirtschaftlich ehrlicher: sie sind entlassen.

Wenn man davon ausgeht, dass zum Thüringer Innenministerium unter Anderem Polizisten, Kommunal- und Verwaltungsrechtler und Städteplaner zählen, dann erscheit die 1800 als eine relativ niedrige Zahl. Und
trotzdem stellen sich einfach mal die Fragen: Wer überwacht uns hier eigentlich? Wer spricht hier Recht? Wer verteilt das Geld? Und hat eine Behörde, die erst mehr als zehn Jahre nach der Wende dort aufräumt, wo
es am Ehesten hätte passieren müssen, unser Vertrauen verdient? Platzüberwachungen und Verkehrsschild-Erfassungen haben ja Vergleiche zu der ehemaligen DDR-Behörde geradezu provoziert, vielleicht lebt da ein Geist weiter?

Es folgt die Neujahrsbilanz: 900 ehemalige Tschekisten können sich jetzt heimlich folgendes Motto hinter den Wandschrank kleben: „Wenn man nur lange genug die Schnauze hält, dann kann einem nur zu 50 Prozent die Entlassung drohen!“ Das beruhigt das Gewissen ungemein - insofern man eines hat.

Die restlichen 900 sind eventuell bald Langzeitarbeitslose, und müssen dann jeden legalen Job annehmen. Und solange Strukturvertriebe noch nicht verboten sind, könnte eventuell jeder Versicherungsabschluss eine erkennungsdienstliche Behandlung sein. Als Schwarzarbeit, sozusagen. Oder Trautvetternwirtschaft.

(Matthias Huth)

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