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Kulturrückblick

Kulturrückblick vom 30.05.2011

Kindermedienland Thüringen - Shanghai Drenger:
Der Internationale Kindertag steht vor der Tür.
Ist das der Anlass, weshalb Du heute im Kulturrückblick über Kinderfilm und Kindermedien sprichst?

Wolfgang Renner:
Ja, womöglich ist das so. In der vergangenen Woche fand das Kindermedien-festival „Goldener Spatz“, - zunächst in Gera, hernach in Erfurt - statt. Und nach Weimar, ins Kino „mon ami“, kam ja auch noch ein Abstecher-Programm.
Wenn man aber heute das schöne Sommerwetter da draußen erlebt, dann will man gar nicht recht glauben, dass sich Kinder und Fachleute gern ins dunkle Kino setzen, anstatt ins Schwimmbad zu gehen.
Beim Stichwort Kinderfilm fallen mir außerdem immer zuerst die alten Märchenfilme ein. Gefühltermaßen gehören die aber doch eher in die Winterzeit. Und so kann die Nähe zum Kindertag durchaus ein triftiger Grund sein, weshalb solch ein Festival jetzt, im beginnenden Sommer, veranstaltet wird

Es geht bei diesem Festival auch längst nicht mehr nur um den klassischen Film – so wie in den Anfangsjahren – sondern um ein viel weiteres Feld: Die Medienlandschaft insgesamt.
Wahrnehmung und Umgang mit unseren neuen Medien stellen ja auch eine neue gesellschaftliche Herausforderung dar, - das ist ein wichtiges kinderpolitisches Thema geworden.


Shanghai Drenger:
Wenn das Festival solch eine gesellschaftliche Bedeutung bekommt, warum hört man so relativ wenig von dem Ereignis?


Wolfgang Renner:
Tatsächlich gibt es das Festival nun schon seit vielen Jahren; bereits vor der Wendezeit begann der Spatz in Gera zu tschilpen. Jetzt ist Erfurt der Hauptaustragungsort. Das Programm in Gera ist gewissermaßen nur noch ein Opener zum Festival. Und vielleicht ist es in Erfurt, trotz Kinderkanal und Mediencenter, noch immer nicht recht angekommen, und vielleicht konnte es die festen Wurzeln, die es traditionell einmal in Gera hatte, noch nicht wieder ausbilden. Denn mit Festivals ist es wie mit vielen Menschen: man verpflanzt sie nicht gern und selten ungestraft.

Ein anderer Grund mag sein, dass das Festival noch ein sehr viel schärferes Profil für die gegenwärtigen Probleme benötigt. Zwar zeigt das Festival vieles, und es stellt etwas dar, aber es mischt sich - meines Erachtens - noch viel zu wenig in die gesellschaftspolitischen und ästhetischen Debatten über die Medien ein.
Wenn man im Programmheft blättert und neben den Filmen, den Animationen, den zahlreichen Real- und Online- Aktionen, jetzt auch immer häufiger Angebote zur Medienpädagogik findet, so glaube ich, ist man konzeptionell durchaus auf einer richtigen Spur.


Shanghai Drenger:
Der Spatz pfeift es ja eben nicht von allen Dächern:
Deshalb erkläre uns doch bitte noch kurz, was genau sich hinter diesem Festival verbirgt.


Wolfgang Renner:
Zunächst ist das Kindermedienfestival ein Wettbewerb mit Preisverleihungen. 37 Film- und Fernsehbeiträge standen in der vergangenen Woche zur Bewertung, und zwar in solchen Kategorien, wie Minis (das sind Filmbeiträge bis zu 4 Minuten Länge), wie Animation, Kurzspielfilm, Serien, Kino- oder Fernsehfilme und Information/ Dokumentation.
Fachleute diskutieren darüber. Glücklicherweise aber entscheidet zuletzt eine Kinderjury, welcher Beitrag die Auszeichnung mit dem Festivalpreis, eben jenem „Goldenen Spatzen“, erhält.

Ich weiß allerdings nicht, welchen Wert die Medienmacher und die Kulturpolitiker einem solchen Preis beimessen mögen.
Am Wochenende wurden die neuen Preisträger verkündet. Und ich befürchte, schon im Verlaufe dieser Woche werden sie medial wieder vergessen sein. Selbst dann, wenn wie in diesem Jahr, der Kulturstaatsminister zugegen war.


Shanghai Drenger:
Wem also nutzt dann das Festival: Den Kindern? Oder der Medienwirtschaft? Den Pädagogen? Der Politik?...

Wolfgang Renner:
Das Festival ist ein Treffpunkt für Fachleute. Aber es ist ein Fachfestival, das gemeinsam mit sehr vielen Kindern gestaltet wird. Mein Eindruck ist, dass die Produzenten und Medienmacher zur wichtigsten Zielgruppe des Festivals gehören. Aber jener medien-pädagogische Ansatz, von dem ich eben sprach, wird künftig wohl auch immer wichtiger werden.

Ich habe am Freitag beispielsweise ein Forum besucht, bei dem über die Zukunft der Kindermedienbranche reflektiert wurde. Und da kamen Begriffe, wie „Marktsektor Kinderfilm“ zu Gehör. So etwas verstört natürlich all jene, die sich um Kulturentwicklung und Ästhetik bemühen. Oder es mag durchaus verunsichern, wenn man erfährt, wie akribisch die Medienwirtschaft danach forscht und analysiert, wann welche Kindergruppen wie und wo, und ob allein oder gemeinsam mit Eltern, fernsehen. Danach richtet man dann die Formate aus. Und alles wird, der Einschaltquoten geschuldet, dann irgendwie Mainstream. Die Fachwelt könnte sich daher, in einem Forum späterhin, womöglich wieder darüber verständigen, warum – trotz aller vermeintlichen Vielfalt und trotz aller technischen Raffinessen – viele Medienproduktionen dennoch eine gewisse Langeweile hinterlassen...


Shanghai Drenger:
Es klingt bei Dir Skepsis mit, wenn Du über die Entwicklung bei den Kindermedien sprichst. Ist der unschuldige Kinderfilm bereits an den Kommerz verloren?


Wolfgang Renner:
Nein, das wiederum glaube ich nicht. Dazu ist die Szene selbst wohl viel zu lebendig. Und es tummeln sich dort noch viele Menschen, die wirkliche Künstler sind. Man darf das Feld eben nicht nur allein den Wirtschaftsakteuren überlassen.

Eine Veranstaltung, die ich beim Festival in der vergangenen Woche besucht habe, nannte sich „Pitching – Akademie für Kindermedien“. Diese Akademie ist eine Erfindung des Festivals und stellt eine interessante Fortbildungsinitiative für Ideengeber und Autoren des Kinderfilms dar. Und bei diesem Pitching können dann Produzenten viele schöne Ideen und neue Autoren kennen lernen. Und auch da erlebt man, dass viel Kreativität in der Branche steckt.

Was mir bei der Präsentation allerdings auffiel: Es scheint bei solchen Projektvorhaben keine solitären Arbeiten mehr zu geben: So wird beispielsweise die Idee zu einem Animationsfilm immer gleich auch mit der Entwicklung eines Computerspiels oder mit der Gestaltung eines Bilderbuches verbunden. Multitasking auch hier...
Und was mir außerdem aufgefallen ist: Die überwiegende Zahl der hier anwesenden Produzenten und Macher –so schätze ich es ein– hat selbst gar keine Kinder. Die Kindermedien werden womöglich überwiegend von den wirtschaftlich flexibleren Singles gestaltet...

(Wolfgang Renner)

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