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Kulturrückblick

Kulturrückblick vom 30.08.2011

Spektakel und Kunst – Weimar feiert - Antonia Woitschefski:
Den Goethe-Geburtstag haben wir gestern in Weimar gefeiert. Den Liszt-Geburtstag feiern wir gleich ein ganzes Jahr lang. Und da gibt es ja auch noch manche Jubiläen mehr. Aber wie feiert man solche Ereignisse am besten?
Mit Kunst oder mit einem Spektakel?
Wolfgang, Du hast dir darüber deine Gedanken gemacht...

Wolfgang Renner:
Die Frage ist schwierig zu beantworten: Feiern soll ja Spaß machen.
Aber wenn man einen Künstler öffentlich feiert, will man ihn - oder besser: sein Werk - auch irgendwie vermitteln.
Beides aber geht nicht immer einfach zusammen...

Als zur Eröffnung der diesjährigen Landesausstellung parallel ein Parkfest für Franz Liszt mit Aktionen und Installationen rund um eine Bühne im Park stattfand, da kam mir schon der Gedanke, ob man dem Künstler nicht besser gerecht geworden wäre mit einem schönen und anspruchsvollen Konzert im Freien, für alle!
So aber erlebten wir Pappfiguren, Glühbirnen und Performances,
die dann leider - auch wegen einer nassen Parkwiese - an Wirksamkeit verloren haben.

Oder: Vor einer Woche veranstaltete das Kunstfest auch wieder ein Eröffnungsfest im Weimarhallenpark. Dieser Kunstfest-Auftakt ist beim Publikum beliebt, vor allem der interessanten Illuminationen wegen. Vielleicht auch, weil bisher in einer anspruchsvollen Gefälligkeit Jazz geboten wurde und den Park zum Klingen brachte.
Nun waren auch diesmal wieder viele Menschen gekommen, - nicht zehntausend, wie man vorher prognostizierte, aber doch eine große, zeitweilig unüberschaubare, Menge. Ich hatte aber dabei den Eindruck, das Publikum blieb diesmal irgendwie unentschieden: Sollte es den Abend über im Park flanieren und im Lichte der wundervollen Illuminationen baden? Oder sollte es lieber wie bei einer Picknick-Party vor der Bühne verweilen und einen unterhaltsamen Abend mit beiläufiger Musik-Umrahmung genießen?
Für beide möglichen Varianten hatte der Veranstalter nicht genügend Anreize vorgehalten: Da war nur eine Bühne - zum Flanieren zu wenig -, kein guter Klang, der das Zuhören nicht immer zum Genuss machte und zudem schlechte Bühnenlicht-Verhältnisse für Künstler und das Publikum gleichermaßen. Schade...

Antonia Woitschefski:
Keine große Kunst zum Kunstfest also?

Wolfgang Renner:
Das Licht war kunstvoll. Und es hat einen stimmungsvollen Abend gezaubert. Die Musik wäre wohl auch gut genug gewesen, bliebe es beim Anspruch, einfach nur einen schönen Sommerabend für die Bürger der Stadt zu gestalten.
Unter dem Aspekt eines „Kunstfestes“ aber, und im Kontext mit dem Thema „20 Jahre Weimarer Dreieck“, das man außerdem verkündet hatte, da wollte mir das Ganze weder konzeptionell noch qualitativ genügen.

Ich will hier nicht falsch verstanden werden: Es war ein schöner Abend, und Bürger anderer Städte mögen uns in Weimar um solche Events mit Recht beneiden.
Aber da sind auch die Erwartungen und thematischen Ansprüche, die erweckt wurden. Und in solch einem Zusammenhang bleibt dann doch ein etwas schaler Eindruck zurück, und eben leider auch das Gefühl, dass man hier mit sparsamsten Budget zum Kunstfest schnell noch etwas fürs Volk anbieten wollte...


Antonia Woitschefski:
Ein drittes, vielleicht ähnliches, Ereignis ist ja auch das Weinfest auf dem Frauenplan. Dort huldigte man jetzt mehrere Tage lang dem Wein – oder auch Goethe? Wie siehst du das?

Wolfgang Renner:
„Auf einen Schoppen bei Goethe“ - so wirbt die Thüringische Landeszeitung als Veranstalter. Die Idee ist schön und an sich stimmig: Die Bürger Weimars und ihre Gäste erheben die Gläser auf den Großen unserer Stadt - ein Prosit zum Geburtstag des Alten, und eine kleine Feier dazu, - wenn auch nur vor dessen Tür... Der Idee aber folgt dann die praktische Realität: verbaute Straßen, Lieferfahrzeuge rollen über die Beleuchtung zu Goethes Wohnhausfassade, Diskomusik noch lange nach Mitternacht, Müll... Das alles ist gut zu ertragen, wenn man selbst einen Schoppen genommen hat, oder zwei. Aber nüchtern betrachtet will sich bei mir keine richtige Begeisterung einstellen.

Ich muss und will aber auch hier wieder differenzieren:
Ich begrüße jedes Weinfest und allen Frohsinn in der Stadt. Müssen aber Goethe oder andere kulturhistorische Ereignisse für solchen Handel und Wandel herhalten? Kein Mensch wird wegen eines Weinfestes die klassische Kunst besser verstehen oder gar begreifen können.
Mit dem Spektakel vermitteln wir selten einen künstlerischen Wert.

Antonia Woitschefski:
Die Stiftung Weimarer Klassik selbst hat auch den Goethe-Geburtstag gefeiert, gestern Abend am Römischen Haus im Park an der Ilm.
Wie viel Spektakel gab es dort?

Wolfgang Renner:
Weniger. Man feierte dort zu Ehren Goethes Geburtstag ein kleines, feines Fest auf lauter „Poetischen Inseln“ rund um das Römische Haus. Das hat mir viel besser gefallen, als die erwähnten Beispiele zuvor. Auch hier gab es viel Licht, sehr sensibel allerdings, und wirklich eindrucksvoll waren Haus und Parkwege erleuchtet. Die Gastronomie blieb verhalten. Trotz vieler Menschen war alles irgendwie auch still.
Und die Kunst war angemessen und vielfältig gestaltet, für alle erreichbar, anrührend und festlich zugleich. Ich fühlte mich da eingeladen. Eine schöne Stimmung war es, trotz eines kühlen Abends. Und ich glaube, dem Jubilar Goethe hätte dieses Fest - im Gegensatz beispielsweise zum Weinfest vor seinem Hause – wohl auch viel besser gefallen.

Antonia Woitschefski:
Von der Schwierigkeit und den Möglichkeiten, künstlerische Feste zu feiern, handelte heute unser Kulturrückblick.
Wenn wir nach vorn schauen, dann bietet Weimar zum Glück noch viele Anlässe, immer wieder, - und dann auch noch besser - zu feiern...

(Wolfgang Renner)

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