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Kommentar

Kommentar vom 04.01.2002

Neues Geld und altes Gesetz. - Das neue Jahr beginnt mit bezaubernden Schneelandschaften, überlasteten Winterdiensten, ge- und manchmal erbrochenen Vorsätzen und mindestens einer Lüge. Denn wer geglaubt hatte, dass der Wechsel von der D-Mark zum Euro nur eine Währungsumstellung sei, der glaubt an Kohl, Schröder und den Weihnachtsmann.

Schamlos haben Banken, Versicherungen sowie Einzel- und Großhändler die kryptische Umrechnungszahl genutzt, um die Kosten der Umstellung auf den Endverbraucher umzuladen. Zwar gab es medienmäßig erwartungsgemäß die große Portion Beruhigungspillen für Verbraucher und Verlustklagen der Händler. Letztendlich halbiert sich unser Einkommen nicht, wird aber durch schleichende Preissteigerungen geschmälert.

Um diesem Trend zu begegnen, bedürfte es beispielsweise der konsequenteren Umsetzung eines Gesetzes, welches im vorigen Jahr mit viel Trara verabschiedet wurde, aber in der Praxis versickerte: das Rabattgesetz. Fast alle Händler interpretieren es als eine Art elftes Gebot: Du sollst nicht handeln wider Deinen Verkäufer. Deshalb ist es eigentlich Sisyphusarbeit, wenn man beispielsweise in Weimar Preise herunterhandeln will.

Da gibt es Möbelhäuser, die schon an der Eingangspforte darauf hinweisen, dass Rabatte nicht gewährt werden, weil man schon so knapp kalkuliert hätte. Man möchte in Tränen ausbrechen, und den armen Händlern Spenden zukommen lassen.

Ein anderes Argument der Verkäufer: "Der Chef ist nicht da, der muss erst geholt werden, und dann wird entschieden." Das heißt übersetzt: "Wer will schon ernsthaft seine Heiligkeit für ein paar Cents bemühen, entweder Du zahlst, oder Du gehst!"

Und nun, als krönendes Beispiel, gibt es neues Argument im Rabatt-Hindernisrahmen, bei dessen Anwendung ich heimlich Zeuge werden durfte. Eine Kundin wollte in einem Weimarer Geschäft handeln. Der genervte Verkäufer entgegnete: "Lassen Sie mich damit in Ruhe, junge Frau. Der Euro kommt uns schon teuer genug!" Beschämt und leise verließ ich den Laden. Hätte ich gekauft und bezahlt, wäre ich wahrscheinlich Schuld am Ruin dieses Händlers.

Ich wäre ja gerne mal bei einer solchen Rabatt-Verhinderungsschulung dabei gewesen, zumal die zusätzlichen Ausgaben ja sicherlich auch mit diversen Preisaufschlägen finanziert worden sind. Während viele Fachverkäufer über ihre Produkte in seligem Unwissen schweben, hat man ihnen den Umgang mit handelnden Kunden sofort beigebracht. Und zwar im Sinne der Verhinderung.

Also sollte man sich vielleicht wieder im Sinne der anfänglichen Montagsdemos auf das Prinzip Widerstand besinnen. Motto: Wir schmeißen Euch die neuen Euro nur mit Bedacht in den Rachen, damit ihr Euch beim Schlingen nicht verschluckt. Aber dazu bräuchte man Stoff für ein meterlanges Transparent. Und wo kriegt man den schon auf Rabatt?

(Matthias Huth)

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