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Kommentar

Kommentar vom 12.09.2011

Showdown im Nahen Osten? - Dramatische Bilder gingen am Vortag des zehnjährigen 9/11-Jubiläums um die Welt. Tausende Demonstranten stürmten die israelische Botschaft in Kairo. Die letzten verbleibenden Botschaftsangehörigen mussten von ägyptischen Spezialeinheiten gerettet und zum Flughafen gebracht werden. Erstaunlich besonnen reagierte Israels Premier Netanjahu und kündigte eine Fortsetzung des Friedensprozesses mit Ägypten an. Kein Wunder, hat doch Israel weit größere Baustellen zur Zeit.

Da wäre zum einen, dass die Palästinensischen Autonomiegebiete noch in diesem Monat einen Antrag auf Vollmitgliedschaft bei den Vereinten Nationen stellen wollen. Zwar kann davon ausgegangen werden, dass Israels Schutzmacht USA dies mit ihrem Veto verhindert wird; die symbolische Bedeutung ist trotzdem immens. Längst hat sich Palästina die Unterstützung zahlreicher Staaten auf dieser Welt gesichert und der Einfluss der USA wird zweifelsohne in den nächsten Jahren schwinden.

Das größte Problem Israels dürfte aber das zunehmende Selbstbewusstsein der neuen Regionalmacht Türkei sein. Schwer erschüttert ist das Verhältnis beider Staaten, nachdem letztes Jahr israelische Soldaten in internationalen Gewässern neun türkische Aktivisten der Gaza-Hilfsflotte erschossen haben. Ministerpräsident Erdogan hatte wenige Stunden vor den Gewalttätigkeiten in Kairo angekündigt, dass die nächste Gaza-Hilfsflotte von türkischen Militärschiffen beschützt werden wird. Mit anderen Worten: die Türkei und Israel sind dabei, mit aller Kraft auf eine militärische Konfrontation zuzusteuern. Und dabei drängen sich sehr unangenehme Fragen auf: angenommen, Israel feuert dann auf die unter Geleitschutz stehenden Gaza-Hilfsschiffe. Und die Türkei feuert zurück. Und angenommen, es wird zu weiteren Kriegshandlungen zwischen beiden Ländern kommen, was nicht ausgeschlossen ist, da in beiden Regierungen ausgesprochene Heißsporne sitzen. Müssten Deutschland und andere westliche Staaten dann dem NATO-Partner Türkei zur Hilfe eilen und Israel den Krieg erklären?

Noch erscheint dies undenkbar, aber Fakt ist, dass die Welt in Bewegung geraten ist. Auf dem geostrategischen Schachfeld wird es bald zu Verschiebungen und Bauernopfern kommen. In diese Szenerie passt auch, dass die westlichen Staaten durch die Schuldenkrise zunehmend in die Sackgasse geraten. Bald könnte es vermehrt zu Verzweiflungsakten in den Schaltzentralen der Mächtigen kommen. Krieg mag da manchem als die letzte Lösung erscheinen, das Zepter noch etwas länger in den Händen halten zu können. Denn eines muss man sich stets vor Augen führen: selten haben Herrscher die Macht freiwillig abgegeben. Meist gingen sie, wenn sie am Abgrund standen, noch einen Schritt weiter und rissen ihre Untertanen mit.

(Oliver Kröning)

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