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Hörbuchrezension

Hörbuchrezension vom 13.09.2011

"So weit die Wolken ziehen" - Willi Fährmann - Deutschland, 1943. Während viele Städte unter den Bombenlasten der Aliierten in Schutt und Asche fallen, verlebt die neunjährige Ruth aus Oberhausen eine relativ ruhige Zeit in einem Heim der Kinderlandverschickung in Österreich, welches neuerdings nur noch Ostmark genannt werden darf.
Das Leben dort besteht für Ruth und ihre Mitschülerinnen vor allem aus Schule, Sport und Gruppennachmittagen. Der Umgang miteinander ist vertraut, das Verhältnis zwischen Erziehern und Kindern fair und wenig angespannt. Alles wirkt ein wenig entrückt und idyllisch, wenn da nicht die stete Angst um die Eltern zu Hause wäre, die Väter meist an der Front im Einsatz, die Mütter in den Metallfabriken des Ruhrpotts.
Die Zeit vergeht für die Mädchen wie für Tausende anderer Deutscher in jener Zeit auch, Apelle und Feierstunden finden statt an den Tagen, an denen die Siege der Wehrmacht groß gefeiert werden, Gedenkminuten werden eingelegt, wenn es andersrum läuft. Es wird Theater gespielt und gesungen, nicht jedes Volkslied, nein, manche sind verboten, was die Mädchen nicht unbedingt verstehen, aber es ist halt so. Alle glauben sicher an den Endsieg und verbinden damit die Hoffnung der Rückkehr in die Heimatstadt.
Doch die Front rückt von Osten her näher. Die Russen seien im Anmarsch heißt es. Vielleicht auch die Amerikaner, keiner weiß genaues. Die Kinder und Erwachsenen des Heimes sehen zunächst die Flüchtlingstracks aus Ungarn vorüberziehen. Auch die Militärbewegungen auf der Straße finden bald nur noch in einer Richtung statt und es kommt schließlich die Anweisung, die gesamte Belegschaft des KLV-Heimes zurück zu führen. Eine Odyssee beginnt. Eine Reise, bei der die Akteure nicht nur mit den Schwierigkeiten der Fortbewegung zu kämpfen haben, sondern auch mit der Bewältigung manch schockierender Erkenntnis, das Herrenmenschentum betreffend.

Willi Fährmann beschreibt in seinem Roman „So weit die Wolken ziehen“ in einem sehr feinen Erzählstil die Erlebnisse der jungen Mädchen. Fährmann, anerkannter Jugendbuchautor, kennt den Stil mit denen man jungen Lesern begegnet. Daher fällt die Geschichte mitunter auch ein wenig unaufgeregt aus, an manchen Stellen vielleicht sogar zu unterspannt. Für die Personen der Geschichte schockierende Momente werden so teilweise für die Leser wenig nachvollziehbar. Falsche Rücksicht? Der lesenden bzw. hörenden Zielgruppe, die vermutlich im Teenageralter anzusiedeln ist, darf mehr zugetraut werden.

Dennoch, die Geschichte findet ihren Reiz durch einen guten Erzählstil einerseit, andererseits gelingt es Schauspieler Bernd Stephan mit seiner Stimme die Hörer zu fesseln. Man hört ihm gern zu und man ist manchesmal verblüfft, wie gut es ihm gelingt, die Personage eines ganzen Internats differenziert zum Sprechen zu bringen.

Willi Fährmanns Roman „So weit die Wolken ziehen“ ist 2008 im Arena-Verlag als Buch erschienen und wurde 2009 im GoyaLit Verlag als Hörbuch bearbeitet. Es erhielt zahlreiche Auszeichnungen, unter anderem wurde es aufgenommen auf die HR2-Hörbuch-Bestenliste.
Die Spieldauer beträgt ca. 6 und eine viertel Stunde undder Preis für die 5 CDs liegt bei absolut fairen 15 Euro.

Shanghai Drenger bei Radio LOTTE Weimar, 13-09-11

Willi Fährmann „So weit die Wolken ziehen“
Sprecher: Bernd Stephan
Verlag: GoyaLit 2009
ISBN: 978-3-8337-2380-3
5 CDs, Spieldauer ca. 6h18min
Preis: 14,99 Euro

(Shanghai Drenger)

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