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Theaterkritik

Theaterkritik vom 21.11.2011

Never Land - Schicksale. Ein gutes halbes Dutzend Schicksale bekommen wir im e-werk präsentiert. Asylbewerber, die seit kurzem oder auch schon länger in den ehemaligen Kasernen der Roten Armee an der nördlichen Ettersburger Straße hausen. Es ist nichts, was der halbwegs aufgeschlossene Bildungsbürger noch nicht wüsste. Arbeitsverbot. Keine Erlaubnis, den Landkreis ohne Genehmigung zu verlassen und so manches mehr, was eben nicht unbedingt einleuchtend ist, aber von jedem guten deutschen Behördenmenschen auf die Frage, warum das so ist, mit einer alles und nichts sagenden Antwort pariert wird: Vorschrift!

Was „Never Land“ so irritierend macht, ist also nicht der Inhalt, sondern die Tatsache, dass wir Gesichter zu den Schicksalen präsentiert bekommen, die wir normalerweise nicht sehen. Und vielleicht auch nicht sehen wollen. Eine Frau und sieben Männer sind auf der Bühne. Sie kommen aus dem Iran, der Türkei, Afghanistan und Algerien und tragen uns die Umstände ihrer Flucht aus den Heimatländern vor und auch ihren Blick auf das Weimar, zu dem sie nicht gehören, aber auch keine Touristen sind, wie all die anderen Fremden, die die Klassikerstadt besuchen.

Es ist – selbstverständlich – kein Theaterstück im eigentlichen Sinne, sondern so etwas wie der Versuch, Öffentlichkeit für ein Stück Wirklichkeit zu schaffen, das man eigentlich lieber unter den Teppich kehren möchte. Und so fehlt auch so etwas wie eine Dramaturgie: es ist eher eine weitestgehend authentisch anmutende Zustandsbeschreibung der Akteure, angereichert mit der notwendigen Prise politischer Korrektheit, denn das Hohelied auf die Demokratie sowie die Erwähnung von Buchenwald dürfen natürlich nicht fehlen. Dazu gibt es ein paar Cartoons, die die Schauspieler auf ihren Wegen durch Weimar zeigen und wohl lustig sein sollen. Und deutsche Volkslieder singen sie auch noch.

Unklar bleibt, warum die einzige Frau fast nichts sagt, was schade ist, weil ihr Deutsch das mit Abstand beste ist. Soll hier auf die Unterdrückung der Frau hingewiesen werden, die nichts zu sagen hat? Dann passt es aber nicht zu ihrem Äußeren.

Regie führte er in Angola geborene Carlos Manuel, der jedoch kein Asylbewerber ist. Die Intention seiner Inszenierung wird nur teilweise deutlich. Letztendlich wird mit einem Thema jongliert, das zwar Öffentlichkeit braucht, aber zu dem es keine Lösung gibt. Leider gewinnt man zeitweise den Eindruck, dass es eine Auftragsarbeit ist; frei nach dem Motto: „Komm, wir machen mal was mit Asylbewerbern und suhlen uns dabei in unserem Gutmenschentum“. Zum Schlussapplaus wird fröhliche arabische Musik eingespielt, die weite Teile des Publikums zum Schunkeln animiert. Wie schön, jetzt ist ja alles wieder gut.

Never Land
Regie: Carlos Manuel
Premiere: 19.11.2011, Weimar, DNT, e-werk

(Oliver Kröning)

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