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Hörbuchrezension

Hörbuchrezension vom 07.02.2012

"Hunkeler und die Augen des Ödipus" von Hansjörg Schneider - Hunkeler hat nur noch sechs Wochen, nein nicht zu leben, zu arbeiten. Konkret heißt das, Hunkeler wird mit diesem Fall nicht mehr betraut, denn Hunkeler ist Kommissär in der netten schweizerischen Stadt Basel, der Kulturstadt, und steht kurz vor seinem Ruhestand, zu kurz, und das wurmt ihn.
Dieser Fall, das ist der des seltsamen Verschwindens des renommierten Theaterintendanten Bernhard Vetter. Der wurde das letzte mal beobachtet, als er sein Hausboot im Basler Rheinhafen betrat – oder das zumindest vorhatte. Mit ein paar Bekannten, guten oder auch nur flüchtigen, netten oder eben nicht, wollte er nach einem aufregenden Theaterabend noch einen kleinen Umtrunk veranstalten.
Nun, Bernhard Vetter gilt seitdem als vermisst, es gibt zwar keine Leiche, aber es gibt – zumindest in den Augen Hunkelers, genug Verdächtige, die einen guten Grund hätten, Vetter verschwinden zu lassen, tot oder lebendig.

Das Hörspiel von Hansjörg Schneider versetzt uns mit aller zur Verfügung stehenden Geduld in das Tempo eines vorruheständigen Kriminalkommissärs. Satte Zwei und ein Viertel Stunden ist es lang, doch so lang wie es ist, ist es keineswegs langweilig.
Ueli Jäggi in der Rolle des Kommissärs ist wiederholt meisterhaft. Schließlich ist es nicht Hunkelers erster, sondern – vermeintlich – letzter Fall. Und auch seine ewig geduldige und meistens auch nachsichtige Freundin Hedwig, wie so oft in dieser Reihe gespielt von Charlotte Schwab, erfreut herzlichst durch ihre etwas lakonisch-trockene Sprechweise. Nimmt sie ihren alten Freund ernst oder hält sie ihn, zumindest temporär, für einen Spinner? Man weiß es nicht, aber darauf kommt es letzten Endes auch nicht an, worauf es ankommt ist, dass der Kommissär am Ende doch vielleicht den richtigen Riecher besitzt, auch wenn er ihn zu diesem Zeitpunkt bereits gar nicht mehr haben dürfte, von Amts wegen jedenfalls und auch in der Handlung der Geschichte droht ihm seine Nase beinahe verlustig zu gehen.

Die Kulturstadt Basel bekommt in dieser netten Episode der Hunkeler-Reihe aus dem Christoph-Merian-Verlag ordentlich ihr Fett weg. Wird doch mehr als einmal deutlich gemacht, welch Banausen die vorgeblich Kulturinteressierten der Stadt sind. Da werden einem Regisseur schon mal nach einer provokanten Premiere ein paar Schneidezähne ausgeschlagen, von einer Dame übrigens, und der getroffene Regisseur seinerseits verpasst dem fast pensionierten Kommissär, der ihm in jenem Moment übrigens nur ein paar Verständnisfragen zur gerade gesehenen Aufführung stellt, eine Ohrfeige. Die Presse ist natürlich nicht weit und so ohrfeigt letztlich der Kriminalist den Kulturschaffenden – es steht zumindest so in der Zeitung.
Dieser allgegenwärtige Nihilismus dem geschätzten Gemeinwesen gegenüber, ist offenbar eine Schwäche des Autoren. Eine ziemlich starke, wie ich finde.

In diesem Sinne, Herr Kommissär, der Ruhestand kann kommen! Es gibt ja die Hunkeler- Hörspielreihe. Langweilig wird es nicht.

Autor: Hansjörg Schneider, Titel: „Hunkeler und die Augen des Ödipus“, Regie: Reto Ott, Produktion: Schweizer Radio und Fernsehen, 2011, Umfang: 3 CD, Laufzeit: 136 Minuten
Preis: CHF 48.00 / € 32.00, ISBN: 978-3-85616-454-6; das gleichnamige Buch ist im Diogenes-Verlag erschienen

(Shanghai Drenger)

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