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Tonspur

Tonspur vom 04.03.2012

Kraftklub Mit K- 2011 - Chemnitz, eine Stadt mitten in Sachsen mit dem höchsten Altersdurchschnitt Deutschlands. Man hört nicht viel über die Stadt an sich, geschweige denn über Kultur, Kunst und Musik...oder?

Doch es gibt ein paar Jungs, die sich als Original-Ostler bezeichnen und über Karl-Marx- Stadt singen. Was sind das denn für welche? Karl-Marx Stadt? Das heißt doch schon lang nicht mehr so und wird außerdem mit C-H geschrieben und nicht Mit K.

Guter Stichpunkt. Mit K! Genau wie Kraftklub. 5 Jungs aus Chemnitz, die neu, frech und vor allem anders sind. 2010 gegründet, im gleichen Jahr den New Music Award gewonnen. 2011 dann Vorband für Fettes Brot, die Beatsteaks und Casper. Die bisher erfolgreichste Single „Ich will nicht nach Berlin“ wurde am 30. September 2011 veröffentlicht, einen Tag nach dem Auftritt der Band beim Bundesvision Song-Contest. Das Album „Mit K“ erschien am 20. Januar diesen Jahres und erreichte prompt im Februar die Spitze der deutschen Albencharts.

„Sex auf deutsch“, so die Beschreibung der eigenen Musik. Die jungen Männer machen „Kloppermusik“ mit ordentlich Dampf oder auch Jungsmusik für Mädchen. Um dabei nicht wie eine 0-8-15 Indieband zu wirken, tragen sie bei ihren Konzerten keine Alltagskleidung, sondern allesamt College-Jacken, weiße Polohemden und rote Hosenträger.
Ein neuer Stil, der sich auch in ihrer Musik zeigt. Die ist irgendwie poppig, rockig, ein bisschen indiemäßig und gemischt mit Deutsch-Rap......Hä?
Es ist eine Art Sprechgesang, den der Frontmann Felix Brummer, der auch alle Texte selber schreibt, über die relativ simplen Gitarren- und Schlagzeugsounds legt.

Auf der ersten Platte finden sich 13 abwechslungsreiche Songs. Von rockig und tanzbar bis etwas ruhig und entspannter ist alles dabei. Die Texte handeln nach Aussage der Band eigentlich nur vom Chemnitzer Freundeskreis, werden aber schon als Sprachrohr einer ganzen Generation gehandelt. Kraftklub sprechen das aus, was viele Jugendliche denken, aber nicht laut sagen.

Ein Beispiel ist der wohl bekannteste Song „Ich will nicht nach Berlin“, in dem der allgegenwertige Hauptstadttrend auf die Schippe genommen wird. Es werden alle Klischees der nach Berlin wollenden und in Berlin lebenden bedient und sehr treffend beschrieben. Die 5 Musiker „kotzen“ die neuen Medienmenschen, das Überkandidelte und die Hipster an. Und genau deswegen fahren sie gerne in ihre Heimat und sind auch in gewisser Weise stolz darauf, wie man im schon gehörten Song „Karl-Marx Stadt“ leicht feststellen kann.
Provokativ und spätpubertär sind wohl gute Beschreibungen für den Inhalt des Gesungenen. Im Song „Zu Jung“ wird bemängelt, dass man eine Generation zu spät dran ist und, dass eigentlich alles schonmal da war.

Die leicht drastisch formulierten Aussagen schrecken vielleicht erst einmal ab, jedoch sind manche Phrasen beim 2. Mal hören ziemlich genial. Liest man einmal zwischen den Zeilen erkennt man, das das alles nicht nur so dahergegrölt ist.
Die Jungs von Kraftklub sind unerschrocken und sagen ihre Meinung. In ihren Songs schimpfen sie gern und desöfteren, jedoch steht keine politische Botschaft im Vordergrund. Eigentlich ungenwöhnlich für junge Indie-Rockbands, da oft eine linke Alternativ-Kultur der Bezugspunkt ist. Denkt man nur mal an Frittenbude, Egotronic oder Deichkind.

Doch eben das zeichnet das Neue an Kraftklub aus. Eine deutsche Band, die Lieder mit intelligenten deutschen Texten zum mitschreien spielt, Anspruch und Wiedererkennungswert hat. Das zeigt sich vor allem bei den Konzerten, die so gut wie immer ausverkauft sind. Im Publikum stehen nicht selten auch Menschen, die von der Band kritisiert werden und das ist ja nur ein weiterer Pluspunkt für die Sachsen.

(Gregor Ryl)

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