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Kommentar

Kommentar vom 19.07.2012

„Damaszener Frühling“ - Einen symbolischen Frühling gab es schon einmal in der arabischen Welt. So bewegend und tiefgreifend wie der jetzige war er jedoch nicht. Im Gegenteil. Das Land, das damals Grund zur Hoffnung gab, ist seit März letzten Jahres fast täglich wegen Kämpfen, Demonstrationen und vielen unschuldigen Toten in den Schlagzeilen. Gemeint ist Syrien.
11 Jahre zuvor, also im Jahr 2000, starb der damalige syrische Präsident Hafiz al-Asad. In dessen Fußstapfen trat sein Sohn Bashar. Gerade einmal 34 Jahre alt war er, als er dem syrischen Volk Reformen und Modernisierung versprach.
Dieser Machtwechsel und die Aussicht auf Veränderungen gaben den Syrern Hoffnung. Eine ganze Reihe von privaten Diskussionsclubs entstanden, in denen über politische Reformen debattiert wurde. Künstler und Intellektuelle forderten öffentlich Freiheiten, die Wahrung der Menschenrechte und die Beteiligung an der Macht.
Diese Zeit des Aufbruchs wurde „Damaszener Frühling“ genannt - sogar politische Gefangene wurden in diesen Monaten aus den Gefängnissen entlassen.
Lange hielt dieser „Frühling“ jedoch nicht. Bereits nach einem dreiviertel Jahr mehrten sich die Rufe nach einem Sturz des Regimes. Über 1.000 Intellektuelle forderten in einer Petition, dass die Baath-Partei ihr Machtmonopol aufgeben solle. Der Einparteienstaat schien in seinen Machtstrukturen so starr, dass ernsthafte politische Reformen nicht möglich waren.
Weil das syrische Establishment diesen Forderungen nicht nachgeben wollte, ergriff es Gegenmaßnahmen. Unzählige Verhaftungen beendeten den Damaszener Frühling in der Mitte des Jahres 2001. Die Diskussionsclubs wurden geschlossen und Reiseverbote für Regimekritiker ausgesprochen.
In den nächsten Jahren konnte sich Bashar al-Asad als Präsident etablieren. Viele wichtige politische Posten vergab er an Vertraute und Verwandte, um seine Macht abzusichern. Sein Versprechen zu Reformen hielt er nur teilweise. Ein geringes Wirtschaftswachstum und kleine Erfolge bei der Korruptionsbekämpfung brachten viele dazu, ihn als „guten Diktator“ zu bezeichnen. Doch als diesen wird ihn heute wohl keiner mehr sehen.
Die Demonstrationen, die vor fast anderthalb Jahren begannen, waren Ausdruck des Wunsches nach Freiheit und Mitspracherechten - nach echten politischen Veränderungen.
Was mit friedlichen Protesten begann, verwandelte sich jedoch bald in blutige Auseinandersetzungen. Die Angriffe der einen zogen Vergeltungsmaßnahmen der anderen nach sich, die wiederum in eine Gewaltspirale übergingen.
Doch die Hoffnung bleibt, dass Syrien trotz der unübersichtlichen Lage und der bürgerkriegsähnlichen Zustände den jetzigen Winter überstehen wird.

(Birgit Hünniger)

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