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Buchrezension

Buchrezension vom 09.08.2012

"Goethesturm" von Bernd Köstering - ein Literaturkrimi
(Broschiert: 247 Seiten, Verlag: Gmeiner; Auflage: 1., Aufl. (9. Juli 2012), Sprache: Deutsch, ISBN-13: 978-3839213308, 11,90 Euro)

Der Gmeiner Verlag veröffentlicht nun bereits den 3. Band von Bernd Kösterings Krimireihe unter dem Titel „Goethesturm“.
In den beiden Vorgängern „Goetheruh“ und „Goetheglut“ spielen sich die Vorfälle und Geschichten allesamt in Weimar ab, so auch in diesem Teil – was zumindest für den Weimarer Leser eine gewisse Note der eigentümlichen Wiedererkennbarkeit erschafft.
Aber von vorn: Protagonist Hendrik Wilmut ist anerkannter Literaturdozent, Goethekenner, Weimarliebhaber und Espressofan.
Er ist glücklich verheiratet mit Hanna und bewegt sich sicher auf dem offiziellen Weimarer gut-bildungsbürgerlichen Parkett.
Man schreibt das Jahr 2007 und kurz vor der Premiere von Goethes „Clavigo“ im Oktober verschwindet eine Schauspielerin am DNT.
Schnell wird klar, dass es sich um eine Entführung handeln muss und Hendriks Freund und Hauptkommissar Siggi Dorst bezieht Hendrik wieder einmal in den Fall mit ein. Die ganze Sache steigert sich noch, als ein Mord geschieht, der auch Hendriks privates Umfeld betrifft – und irgendwie auch mit der Entführung und sogar direkt mit Goethes „Clavigo“ zusammenhängt - und ein zurückgewiesener Möchte-Gern-DNT-Intendant spielt auch eine sehr undurchsichtige Rolle dabei..
Was das alles miteinander zu tun hat, muss Hendrik dieses Mal ganz allein raus finden, da ausgerechnet sein bester Freund und Cousin Benno, der außerdem auch Weimars Kulturdezernent ist, bis zum Hals in der Angelegenheit mit drinsteckt und zudem vor hat, Weimar zu verlassen, um Oberbürgermeister von Frankfurt am Main zu werden, was er zunächst vor allen (auch vor seiner Frau) verheimlicht.
Soweit zur Story. Beginnt man den Roman zu lesen, so hat man doch einige Mühe, diesbezüglich in die Gänge zu kommen:
der Autor lässt seinen Ich-Erzähler Hendrik Wilmut Anfangs doch sehr alltägliche Dinge und Gedankengänge beschreiben, die zugegebenermaßen ehrlich langweilig sind: dass er morgens aufsteht und seine Frau duscht, er in die Küche geht usw. ist für den Handlungsablauf nicht relevant und wird doch sehr von ihm ausgeschmückt; selbiges betrifft seine Espresso-Liebhaber-Meise, was detailreich beschrieben wird.
Vielleicht glauben manche Autoren, dass Hauptfiguren sowas brauchen, wie Kojak seinen Lolli – ich weiss es nicht.
Was aber so richtig nervt, sind die überausführlichen Wege- und Fahrstreckenbeschreibungen des Weimar-Fans:
vielleicht liegt es auch daran, dass ich selbst in dieser Stadt geboren wurde – aber ich finde, wer sich mit Weimars Sehenswürdigkeiten und deren Verortung vertraut machen möchte, sollte lieber zu einem Stadtplan greifen.
Das Köstering seine Hauptperson zum Goethe-Fan stilisiert hat, das allerdings ziemlich fundiert - und ihn das eine oder andere Mal auch diverse Verse vom Dichterfürsten deklamieren lässt – ist in diesem Zusammenhang nicht unpassend, allerdings auch Geschmackssache.

Also soweit erst mal zur Bemängelung des Krimis. Hat man sich durch die ersten ca. 50 Seiten gekämpft und das Buch nicht entnervt weggelegt, so kommt der Krimifan dann doch noch auf seine Kosten, da die Handlungsabläufe dann doch rasant an Fahrt aufnehmen und in einem weiteren Mordversuch und einer handfesten Schiesserei ihr Finale finden. Manchmal ist weniger mehr und spätestens hier glaubt man gern, dass der Autor vielleicht ein bisschen zuviel CSI oder dergleichen geschaut hat.
Was mich tatsächlich doch ein Stück weit für die Geschichte eingenommen hat, sind genau zwei Dinge:
zum ersten – und vielleicht geht es mir nur so, weil ich nun mal Weimarerin bin: man kann dem Autor einen gewissen hintergründigen Humor in Bezug auf die Stadt, deren Einwohner und der dazugehörigen Lokalpolitik nicht absprechen: bis auf eine Person - und das ist unser lieber Christoph Heckel vom DNT, sind natürlich alle Namen geändert, so wird z.B. der Wolf zum Gärtner gemacht (ein Schelm, wer anderes dichtet..).
Diverse stadtpolitische Rangeleien auch und gerade um das DNT werden recht anschaulich dargestellt – Parallelen zur Realitität zu ziehen, obliegt final natürlich immer dem Leser selbst..

Das andere ist, dass Spurensucher Hendrik Wilmut als sozial-verträglicher und logisch denkender Mensch durchaus seine Momente hat, in denen er sinniert und philosophiert: und das gar nicht mal so schlecht. Es gibt da ein paar Sätze und Gedankengänge zum menschlichen Wesen und seiner Psychologie, welche der Autor oft einfach so dazwischenhaut: doch genau diese Ansätze wären es wert gewesen, diese etwas mehr auszuführen.

Zusammengefasst: wer als Weimarer Krimifan noch kein Buch für den Strandurlaub hat und dort mit einer detailreichen Beschreibung Weimars sein Heimweh lindern möchte, ist mit Bernd Kösterings gerade erschienenen „Goethesturm“ ganz gut beraten.

(Sophia Springer)

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