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Tonspur

Tonspur vom 12.08.2012

Dirty Projectrors - Swing Lo Magellan -

Als unsere Kollegin Laura Eigbrecht noch ganz neu in der Musikredaktion war und wir uns zum gemeinsamen Promo-Hören zusammenfanden, sagte der Kollege Dennis Klostermann beim Anspielen einer Platte plötzlich erklärend: „Das ist schwierige Musik. Die muss sich Christian anhören; dem gefällt das bestimmt.“ Nun, in diesem Moment wusste ich nicht so recht, was er damit meinte und warum er mich in dieser Form charakterisierte. Klar wurde mir das erst (wieder) vor kurzem, als ich voller Begeisterung die neue Platte der Dirty Projectors mitbrachte und einzelne Songs für die Verwendung im Tagesprogramm vorstellte. Die Reaktion kurz zusammengefasst, schaute ich in ziemlich ratlose Gesichter, die mir sagten, dass die Kollegen dahinter nicht so ganz verstehen, warum der – also ich – das gut findet. Weiter weiß ich auch nicht warum genau, aber wir einigten uns schließlich doch, drei Titel in unseren Pool aufzunehmen, die seither (bezeichnenderweise) nur von mir in Playlisten gespielt worden sind.
So gern mich der Kollege Dennis Klostermann bei oben genannter Situation in die „Schwierige-Musik-Versteher-Schublade“ stecken mochte, so gern und reflexartig bedienen sich derzeit die einschlägigen Albumrezensenten hiesiger Fachzeitschriften dieser Rhetorik, wenn sie etwas zum Projectors-Album „Swing Lo Magellan“ sagen wollen. Einhellig ist der Tenor verschiedener Wortspiele. Vom „Anti-Anti-Hit“ und der „Experimentalkeule“ ist die Rede. Man ist sich einig, dass die Dirty Projectors mit ihrem Album erneut bewiesen haben, dass sie keine Musik machen, die jeder mag. Und erst recht nicht jeder versteht. Nur – so der zu transportierende Eindruck – die Rezensenten selbst würden das – freilich –; diese loben sich daraufhin ausführlich, das erkannt zu haben und untermauern ihren virtuellen „Turmbau zu Babel“ auch gleich mit einem „biblischen Genregewirr“. Wäre ich religiös, müsste ich dazu sagen: „Gott hat die Genre erschaffen, um die Menschen, respektive die selbsternannten Experten zu verwirren.“ Denn, warum zum Geyer muss man eine Platte derart zerstückeln, dass sie auch in jede noch so kleine Schublade passt? Warum muss in einer einzigen Besprechung zu einem einzigen Album von „Orchester-Pathos, Hardcore, afrikanischen Rhytmen, Indie-Soul, Retro, Art-Rock, Widescreen-Glamour, hochchoreographierten Mini-Dramen, Folk-Pop und Gospel“ die Rede sein? Wer soll sich nach so einer Beschreibung noch ein Bild machen können? Könnt Ihr nicht einfach Metaphern bedienen, die das Gefühl spiegeln, das man beim Hören des Albums hat und dieses ganze Angebergehabe beiseite lassen? Dann müsste man vielleicht so etwas sagen, wie: „Swing Lo Magellan“ fühlt sich an wie einer dieser Träume, die einen morgens verwirren, wenn man über sie nachdenkt. Die aber so spannend, abwechslungsreich und abenteuerlich waren, dass man, fest an sie denkend, versucht, weiter zu schlafen, weiter zu träumen. Oder: Die Stimmen von Dave Longstreth, Haley Dekle und Amber Coffman möchte man nicht den ganzen Tag mit sich herumtragen. Viel zu anstrengend ist das teilweise; auch die beinahe kakophonen Momente, in denen die verschiedenen Instrumente die Stücke regelmäßig zerreißen, tragen nicht dazu bei, sich auf die Arbeit zu konzentrieren. In ruhigen Momenten, in denen ich auch mit geschlossenen Augen hören kann, da, ja da gehören die vertrackten Rhytmen aber hin und dort will ich sie haben, wieder und immer wieder, um dem Alltag zu entfliehen…
In diesem Sinne: Einfach Augen zu und weg.

(Christian Faludi)

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