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Hörbuchrezension

Hörbuchrezension vom 11.09.2012

"Gesellschafterin gesucht" - Mary Elizabeth Braddon - „Ihrem enormen Erfolg zum Trotz ist sie heute nahezu vergessen“, so steht es in Wikipedia über die britische einstige Bestseller-Autorin Mary Elizabeth Braddon geschrieben.
Dabei hatte sie doch Zeit ihres Lebens einen Erfolg nach dem anderen gelandet. Nun, es war damals eine andere Zeit, denn Braddon war eine Autorin der viktorianischen Zeit, lebte von 1837 bis 1915 und – vor allem, sie schrieb Grusel- und Gespenstergeschichten. Es darf also nicht verwundern, dass „sie heute nahezu vergessen“ scheint.
Der damalige Literaturmarkt war bei weitem noch nicht derart globalisiert (oder kontinentalisiert), wie man auch sagen könnte, dass Braddon auch auf dem Festland Europas für Furore sorgen konnte. Auf der Insel aber galt sie als die „Queen of Sensation“ und lehrte scharenweise gesetzten Hausdamen, Dienstmädchen bis hinein in die adligen Kreise ihren Leserinnen und Lesern das Grauen.

Ausgestorben oder tatsächlich vergessen sind die Geschichten der einstigen Sensationskönigin aber nicht. Auch nicht hier in Deutschland. In der Titania-Medien-Gesellschaft, im Vertrieb des Lübbe-Audio-Verlages, wird seit einigen Jahren eine recht imposante Serie herausgegeben: das Gruselkabinett. Mittlerweile ist man bei Ausgabe Nummer 77 angekommen und es hat den Anschein, als würden es noch mehr werden. Versammelt werden in dieser Reihe zahlreiche mehr oder weniger bekannte Autorinnen und Autoren, deren Namen ihren Lesern einst schon bei deren Nennung einen Schauer über den Rücken laufen ließen. Heute verlieren wir bisweilen ein amüsiertes Schmunzeln darüber und fragen: Gruselkabinett? Ist das nicht ein wenig übertrieben als Titel?
Nun, nehmen wir es einfach als Arbeitsbegriff für eine Sammlung spezieller Werke vergangener literarischer Epochen. So weit so gut.

„Gesellschafterin gesucht“, so der Titel des vorliegenden Braddon-Stoffes, wurde in diesem Jahr von Titania-Medien als Hörspiel unter der Regie von Stephan Bosenius und Buchautor Marc Gruppe aufgearbeitet.
Inhaltlich geht es um folgendes: Um ihr eigenes Auskommen und auch das ihrer Mutter zu sichern, sucht Bella Rolleston händeringend eine Anstellung als Gesellschafterin in einem hochherrschaftlichen Haus. Durch die Leiterin einer Vermittlungs-Agentur wird sie der sehr betagten Lady Ducayne vorgestellt. Deren Gesellschafterinnen waren in letzter Zeit, trotz anfänglich guter Gesundheit, zwischenzeitlich verstorben …
Mehr muss man eigentlich nicht dazu wissen, alles andere erklärt sich in diesem Hörspiel nach und nach von selbst.

Insgesamt lässt sich die Geschichte auch ganz gut an und wir dürfen tatsächlich Spannendes (vielleicht gar wirklich Gruseliges erwarten), doch schon bald, zu bald für meinen Geschmack, werden die Fäden des Bösen sichtbar und der Anreiz der Geschichte bereitwillig zu folgen, nimmt rapide ab. Beinahe übel wird es gegen Ende, kurz vor Auflösung des mysteriösen Falles: fast möchte man den Regisseur einer Abkürzung bezichtigen. Ich kenne leider die literarische Vorlage nicht, dennoch scheint die Lösung des Falles ein wenig holterdipolter übers Knie gebrochen. Lag es wohl daran, dass die Laufzeit der CD drückte? Mit 72 Minuten Spiellänge liegt der Verdacht nahe.

Nichts desto trotz, Sammlern entsprechender Genre-Angehöriger, zu denen u.a. neben H.P. Lovecraft, Theophile Gautier, Alexandre Dumas und Mary W. Shelley eben auch Mary Elizabeth Braddon gehört, kann man die hübsch aufgelegt Reihe des Titania-Gruselkabinettes durchaus empfehlen.
Der nächste Winter kommt bestimmt, die Kerzen werden allmählich wieder ausgepackt und es soll ja noch den einen oder anderen Kamin geben. Lassen Sie's also knistern!

Mary Elizabeth Braddon
„Gesellschafterin gesucht“
Hörspiel von Marc Gruppe und Stephan Bosenius
Produktion: Titania-Medien 2012
SprecherInnen: Ingrid van Bergen, Julia Stoepel, Christian Wolff, Susanne Tremper und andere;
ISBN: 978-3-7857-4642-4
1 CD, Laufzeit 72 Minuten, Preis ca. 9 Euro

Shanghai Drenger für Radio LOTTE Weimar
12-09-11

(Shanghai Drenger)

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