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Neulich im Netzwerk

Neulich im Netzwerk vom 26.09.2012

Polkappen und Kürbisse - So, so. Wir werden also einen kalten Winter bekommen. Der Golfstrom wird nämlich immer kühler, weil die Polkappen schmelzen. Die Hälfte ist seit den 80er Jahren schon verschwunden. So das Potsdam-Institut für Klima-Folgen-Forschung.
Und gleich gibt es wieder jede Menge bekannte Rezepte: Lebensfreundliche Städte, Carsharing, Renaissance des Fahrrads und besserer Schienenverkehr. An Ideen, wie wir unseren Einfluss auf das Klima abmildern können, mangelt es nicht.
Aber nützt das wirklich etwas? Gut. Der Bahn schon. Denn trotz ständig steigender Preise und immer schlechterem Service boomt das Geschäft. Wie auch nicht. Man wird ja schon komisch angeschaut, wenn man Benzinkosten abrechnet statt Fahrkarten.
Aber als neulich die Flugbegleiter gestreikt haben, hat da mal jemand die Zahl der betroffenen Passagiere ausgerechnet? Leute, die aus Umweltgründen aufs Auto verzichten, fliegen auch gern mal von Hamburg nach München. Weil die Bahn unpünktlich und nicht komfortabel ist.
Man muss schon lange mit dem Auto fahren, um die gleichen Schäden an der Umwelt zu verursachen wie ein innerdeutscher Flug.
Schön ist es auch, wenn jetzt alle so vom Urlaub erzählen. Von Island über Mallorca bis zur Weltreise war da alles dabei. Und die umweltbewussten Weltbürger suchen sich natürlich alternative, unberührte, nicht vom Tourismus versaute Ziele aus.
Allerdings kommt man da nicht mit dem Rad hin. Und wenn alle deutschen Öko-Touristen durch sind, ist keine Insel mehr naturbelassen.
Doch immerhin: Inzwischen werden Alternativen zu unserer exzessiven Mobilität diskutiert - und es liegt nur eine kleine Ironie in der Beobachtung, dass viele Fachleute viele Kilometer zurücklegen, um auf Klimagipfeln, Messen und Kongressen gemeinsam zu überlegen, wie es anzustellen sei, dass in Zukunft weniger Öl verbrannt und weniger Natur asphaltiert werden muss.??Aber es sind wirklich tolle Pläne, die da geschmiedet werden. Ein verbesserter, kostengünstiger öffentlicher Nahverkehr, "Carsharing", also gemeinsame Nutzung von Autos und das Fahrradfahren erlebt eine Renaissance als Königsdisziplin im innerstädtischen Nahverkehr.
Allerdings auch eher, wenn man sich an den Verkaufszahlen orientiert. Das teure Rad ist heute schon fast ein Statussymbol. Das heißt aber nicht, dass all die umweltbewussten Fahrradbesitzer jetzt auch zur Arbeit radeln. Die Radwege in Weimar und anderswo sind dafür doch ziemlich leer.
Aber auch die Technik mausert sich. Flugzeuge werden leiser, Autos sparsamer konstruiert. Die Bahn tut alles, um auf mittleren Strecken eine Alternative zum Luftverkehr zu bieten, nur der Gütertransport schleppt sich unverdrossen über die Autobahn.
Doch zum Glück weisen Intelligente Verkehrsleitsysteme und Satellitennavigation Wege aus dem Stau.
Hm. Wer aber in der Realität ans Bahnfahren denkt, muss nur mal bei Facebook das Gemecker über die Verspätungen, die zu kalten oder stickigen Züge und die Preise für Fahrkarten lesen. Dann vielleicht doch Carsharing? Dann sei aber die Frage gestattet, wem ein gemeinsam genutztes Auto um elf Uhr am Vormittag nützt, wenn doch alle um Neun im Büro oder in der Uni sein müssen.
?Die Lösung ist wahrscheinlich sehr viel simpler, aber nicht ganz so schick: Sie liegt in einer geänderten Lebensweise. Im Verzicht auf kleine Fluchten, nach Mallorca oder zum Skifahren, im Verzicht auf frische Rosen im Dezember; importiert aus Afrika. Und auch das Angebot der Bio-Läden müsste drastisch verkleinert werden. Biologisch angebaute Leckereien vom anderen Ende der Welt sind halt nicht ökologisch.
Aber ich hab gut reden: Gerade sind Tomaten und Kürbisse reif, die Minze für den Tee ist fertig getrocknet und verpackt, Anfang Oktober wird der Apfelsaft fürs ganze Jahr gepresst, der Bus fährt nach Nermsdorf nur einmal täglich und die Weltreise fällt aus, weil ich ja gießen muss im Sommer. Und so lebe ich – ganz aus Versehen – ökologisch und glücklich.

(Grit Hasselmann)

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