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Tonspur

Tonspur vom 08.10.2012

Alt-J // An Awesome Wave - Der Erstkontakt mit Alt-J ist seltsam. Zuerst natürlich der Name, dann aber auch die Musik. Gerade eben hörten wir einen Auszug aus dem ersten Intermezzo des Albums An Awesome Wave der Band aus Leeds, und das klingt jetzt nicht gerade nach Musik, die die Festivalbühnen zum Beben bringt. Bizarrer A-Capella-Gesang zuerst. Und auch der Rest des Albums mag erst einmal unterkühlt wirken in seiner komischen Mischung aus Pop, Electro und ein wenig HipHop. Mit einem komisch gniedeligen Gesang. Die Band selbst bezeichnet ihre Musik als eine Art Alternative-Pop, aber vielleicht sollte man es bei Alt-J einfach lassen, Schubladen zu bemühen.
Setzen wir doch erstmal beim Namen an. Der beruht auf jener Tastenkombination, nämlich Alt und J, die auf Apple-Computern den griechischen Buchstaben Delta in groß hervorbringt, also als eine Art Dreieck. Hipster-Unfug, mag man da denken. Die Band bringt dafür auch noch eine hoffnungslos nerdige Erklärung an. Nach dem Studium der Bildenden Kunst beziehungsweise englischer Literatur in Leeds zog es die Bandmitglieder nämlich nach Cambridge, wo sie sich zwei Jahre lang in einem Keller verrammelten und an ihrer Musik feilten. Eine große Veränderung im Leben der Bandmitglieder, und da Delta in der wissenschaftlich-mathematischen Welt hauptsächlich für Veränderungen und Differenzen steht, war der Name gefunden. Das Delta-Dreieck macht sich dabei natürlich wunderbar auf T-Shirts und als hochgehaltene Handformation auf Konzerten - statt der obligatorischen Herzchen.
Eine Band für Herzchen sind Alt-J aber weiterhin nicht. Anfangs zumindest war ich mir nicht sehr sicher, ob ich für diese nölende Stimme und den reduzierten Sound wohl echte Zuneigung entwickeln könnte. Zumal Interludes, Instrumentals und Hidden Track auf einem Album zuerst etwas bemüht wirken können.
Jetzt, ungefähr zwei Monate nach Erstkontakt, kann ich das Fazit anbringen, dass ich kein Album in der letzten Zeit mehr und begeisterter gehört habe als „An Awesome Wave“. Es ist seltsam, aber es ist eben auch besonders und neu, ohne anstrengend zu sein. Es hat Ohrwürmer, die man erst nicht bemerken mag, die dann aber in allen möglichen Lebenslagen um die Ecke kommen. Es hat erschreckend perfekte Gesangs- und Instrumentalpassagen, die man so wirklich noch nie gehört hat - die Gesangspassagen auch gerne mehrstimmig. Bizarrerweise wirken Gesang und Musik, so gniedelig und reduziert das auch sein mag, irgendwann so wolldeckenwarm, wie man das sonst nur von niedlichen Folkbands kennt. Ich bin sehr verwirrt. Und sehr bewegt, denn die wunderschönen und zauberhaften Momente des Albums treffen einen unerwartet und unvermittelt.
Live habe ich die Jungs übrigens auch schon gesehen. Auf dem Southside unverzeihlicherweise verpasst, konnte ich sie um 2 Uhr nachts auf dem Haldern Pop Festival genießen. Die Augen konnte ich kaum noch offen halten, aber das passte wunderbar zu dieser Musik und dieser Tageszeit, die offenbar beim gesamten Publikum tranceartige Zustände auslösten. Musik zum Anhören, nicht zu Anschauen, auch wenn ich natürlich mal gelunzt habe, wie die denn mit ganz klassischen Instrumenten so einen elektronisch-sauberen Sound produzieren. Bald sind Alt-J im Vorprogramm von Two Door Cinema Club im Lande unterwegs, unbedingt anschauen!
Das alles mag sich nun recht speziell anhören, aber mit Erstaunen habe ich festgestellt, dass die Coverversion des Songs Tesselate, die Mumford and Sons eingespielt haben, ziemlich gut funktioniert. Die Bands teilen eigentlich nicht viel mehr als perfekte mehrstimmige Harmoniegesänge, aber der Song ist auch hier erschreckend gut und melodiös.
Hier gibt es etwas zu entdecken. Alt-J mit An Awesome Wave - für mich vielleicht jetzt schon das Album des Jahres. Sorry, Mumford and Sons.
Eine Art Hit gibt es auf dem Album übrigens auch. Um die Spannung nicht mehr ins Unermessliche zu steigern, hören wir nun meine neue Lieblingsband Alt-J mit Dissolve Me. Und das sollte nur der Einstieg sein!

(Laura Eigbrecht)

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