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Tonspur

Tonspur vom 16.10.2012

SKIP&DIE - Riots In The Jungle - Tja, das kann passieren, wenn man fixiert ist. Da habe ich mich jahrelang von Drum & Bass zu ballern lassen, und kann heute an nichts anderes denken, sobald mich auch nur ansatzweise irgendetwas an früher erinnert. Vielleicht liegt es auch daran, dass ich in der letzten Zeit besonders einen Helden, früher Drum & Bass Tage mit großem Interesse beobachtet hatte. Dass DJ Die nach so vielen Jahren ein neues Lable gründet und wirklich ein paar echt gute neue Tracks raushaut, hat mich sehr gefreut. Schnell baute er wieder ab und produzierte nervige House- und Electrotracks. Plötzlich war ich also wieder enttäuscht von DJ Die.
Ich glaube, deshalb habe ich mich während der Moderation von „Foyer“ eines Tages dazu hinreißen lassen, zu behaupten DJ Die hätte ein neues Projekt mit einem Künstler Namens Skip.

„Und hier Leute! Hört euch mal an, wie cool das ist! Nicht hundertpro meins, aber frisch und innovativ ist es auf jeden Fall. Geil!“

Tja! Sünden in der Vergangenheit sind ja oft auch mit Irrtümern verbunden.
Heute bin ich schlauer und weiß zwei Dinge mehr. Erstens weiß ich nun, dass man DJ Die wohl endgültig in die Tonne drücken kann, denn er hat schon wieder ein Lable gegründet. Diesmal für Dubstep. Außerdem nervt er via Twitter und Facebook, bis zum Umfallen.
Außerdem weiß ich nun, dass es sich bei „Skip&Die“ um eine Band aus Südafrika handelt. Hier treffen buchstäbliche und sprichwörtliche Welten auf einander. Der Sänger und Visual-Künstler Cata Pirata trifft auf den Niederländer Erfolgsproduzenten Joe Colognan, der bereits solche Größen, wie C-Mon oder Nobody beats the Drum auf dem Kerbholz hat.
Den beiden ist es wichtig, aktuelle elektronische Musik mit extrem bunten Pop-Einflüssen und traditioneller afrikanischer Musik zu vermischen.
Klingt vielleicht erst einmal nicht ganz so verlockend, geht aber überraschend gut auf. Überhaupt haben schon diverse DJs und Produzenten gezeigt, wie ergiebig die afrikanische Musik allgemein sein kann. Frederic Galliano's „African Divas“ sei hier als Beispiel und Hörtipp erwähnt.
Skip&Die reisen auch durch das Land und sammeln Eindrücke und talentierte Musiker. Das Ergebnis ist nun auch in Europa im Plattenladen erhältlich und heißt „Riots in the Jungle“

Mein erster Impuls beim Anhören war nicht so positiv.
„Oh nee! Bloß nicht noch mehr Raggaeton-, Worldmusic-, Popgelumpe! Sowas kommt ständig neu und noch verrückter aufgelegt auf den Markt und wenn man dann genau hinguckt, merkt man, dass es sich eigentlich um ein Projekt von Sven Väth oder Mark Oh handelt. Denen ist auch nix mehr peinlich.“
Was ich da noch nicht wissen kann, ist dass Skip&Die genau diesen ersten Eindruck bewirken wollen. Sie wollen provozieren und täuschen mit ihren schreienden und lauten Intros über die musikalischen Qualitäten ihrer Musik hinweg. Hält man die ersten Sekunden der meisten Tracks durch, entpuppen die sich als gut durchdachte und fantastisch produzierte Songs, deren Texte kein Blatt vor den Mund nehmen. Die Songs handeln von der brennenden Sonne und staubigen Straßen, aber auch von Zuständen in den Townships, von Aufständen, Schädeln, Knochen und den Liebesvögeln.
Stilistisch bewegt sich das Album zwischen stampfenden Megatonbeats, über Hip Hop und Dubstepartigen und etwas Undefinierbaren – Ich nenn's mal „WobbwubbWabWabWab“

„Riots in The Jungle“ ist ein echtes Erlebnis. Dieses Album wird am Besten schweinelaut gehört. Also so richtig laut. Erst, wenn die Bässe den Boden wackeln lassen und die Mitten und Höhen ins Gesicht klatschen, kommt der neuartige Sound so richtig zur Geltung.
Es macht Spaß, etwas frisches zu hören. Es macht wütend, wie offensichtlich man hier durch das heraus brüllen von Tabuthemen provoziert wird. Es macht melancholisch, wenn die exotische Romantik durch schimmert und wir ganz kurz die Luft aus einem fremden und wilden Land schnuppern können.

(Jan Witte)

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