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Tonspur

Tonspur vom 27.10.2012

PRINCE - Sign o’ the Times - Ich weiß schon, warum wir Frank diese Rubrik machen lassen: Ein wegweisendes Album der Musikgeschichte vorzustellen, das dieses Jahr in irgendeiner Form irgendein Jubiläum hat. Dabei wird einem unmissverständlich vor Augen geführt, dass die Zeit an einem in grauenvoller Art und Weise nagt. 1987, also vor 25 Jahren, genauer gesagt am 30. März bringt Prince das Album „Sign o’ the Times“ heraus.Ich muss damals gerade mal 10 Jahre alt gewesen sein, vielleicht auch älter. Wer weiß das schon noch? Die Welt war Ende der achtziger Jahre noch klar strukturiert. Es gab drei Farben: schwarz weis und pink. Es gab Osten und Westen. Und es gab zwei Lager, zwischen denen man sich entscheiden musste. Entweder fand man Michael Jackson gut (an der Stelle mache ich heimlich eine verachtende Geste – steckt eben noch so drin). Oder man gehörte zu den geschmackssicheren Jugendlichen, die Prince gut fanden. Ich fand damals Prince sogar urst gut; duffte, weil er voll fetzte.

Das Doppelalbum Sign ‘O’ The Times von Prince gilt zurecht als eines seiner besten Alben überhaupt. Ursprünglich nahm Prince ein Dreifachalbum mit 22 Liedern namens Crystal Ball auf, musste dieses aber auf Wunsch von Warner Bros. Records auf ein Doppelalbum mit 16 Liedern reduzieren und benannte es in Sign o’ the Times um. Überhaupt reiht sich Sign ‘O’ The Times in die Reihe guter Princealben aus dieser Dekade ein. Ob das Purple Rain ist, Parade oder 1999. Etwas an diesem Album ist anders als bei den anderen. Auf diesem Werk bekommen wir einmal den nachdenklichen Prince zu Gesicht, der sich auch einmal Gedanken um die Welt um ihn herum macht - was bei einem als Egomanen verschrienen Menschen eher die Ausnahme bildet.

So singt Prince bereits im Titelsong “Sign ‘O’ Times” von gesellschaftlichen Missständen und menschlichen Tragödien. Auch ist dieser Song vor allem musikalisch überzeugend. Neben minimalistischen Computerbeats hört man auch eine virtuos gespielte Funkgitarre, wie sie nur der Meister persönlich zu spielen weiß. Sogar das Video zu dem Song glänzt vor minimalistischer Schönheit, denn es ist komplett grafisch gelöst in nur Schrift und Fläche.

Doch diese nachdenkliche Stimmung findet gleich im nächsten Song “Play In The Sunshine” ein jähes Ende. Hier darf wieder gefeiert werden. Neben der tollen Melodie des Songs, die sofort im Ohr kleben bleibt, ist vor allem die Drumpassage ein echtes Highlight.

Dieses Album ist gespickt von potentiellen Hits: “Housequake” kommt sehr erdig und basslastig daher.... Und so könnte ich über jeden Song des Albums etwas erzählen. Der Meister probiert sich in fast allen Musik- und Stilrichtungen aus. Ob Funk, Soul, Pop, Rock, Jazz; alles wird mit Leichtigkeit und einer unglaublichen Spielfreude in das Princeuniversum integriert.

Der zweite Platte startet mit dem Duett “U Got The Look” mit Sheena Easton - einem weiteren Princeklassiker, der bis heut immer noch gern auf Princekonzerten gespielt wird und damit zum Standardrepertoire des Meisters gehört.
Apropos live: Zu diesem Album kam auch ein Art Livekonzertspielfilm heraus, in dem Prince zeigen konnte was für ein begnadeter Musiker und Entertainer er ist.
Interessant ist auch, wie der ansonsten doch sehr selbstverliebte Prince mal etwas von seiner Egomanie abweicht und in einem Song wie “I Could Never Take The Place Of Your Man” auch selbstkritischere Töne anschlägt, diese aber gegen Ende des Songs mit einem grandiosen Gitarrenpart wieder etwas relativiert.
Das Fanherz geht mehr und mehr mit mir durch. Schnell sei noch „The Cross“ erwähnt. Mit seinem schleppenden, immer grösser werdenden Rockarragement, der in dem Konzertfilm in einem gleissendem weissen Lichtinferno mündet.

Fazit:

Auf Sign ‘O’ The Times klingt Prince ungewohnt gesellschafts- und selbstkritisch, was besonders der Tiefe des Albums zugute kommt. Prince ist es hier gelungen, einen Spagat zwischen eingängiger Popmusik und anspruchsvollem Inhalt zu schlagen. Das Album macht einfach aufgrund seiner enormen Vielseitigkeit mächtig Spaß. Dass diese Qualität auch noch obendrein auf zwei CDs gleichbleibend verteilt ist, beweist nur wieder, was für ein guter Musiker der Mann ist. Jedenfalls gehört das Album zusammen mit Purple Rain und 1999 zu seinen besten Alben überhaupt.

Was auf diesem Album funktionierte, klappte leider später nur noch partiell. Denn Roger Nelson, so der bürgerliche Name des kleine grossen Mannes, ist meiner Meinung nach einer der begnadetsten Gitarristen dieser Zeit. Aber leider ist er auch einer der schlechtesten Rapper, den ich kenne und das hätte man ihm ruhig etwas früher sagen können. Ich bin froh, mal wieder meine ollen Platten rausgesucht zu haben und es versöhnt mich mit dem Alter, denn ich kann sagen, ich bin dabei gewesen!

(Dennis Klostermann)

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