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Tonspur

Tonspur vom 12.11.2012

Brasstronaut - Mean Sun - Wissen Sie, was nicht geht? Zum einen, in dieser Rubrik die neue Platte von „Godspeed You! Black Emperor“ zu besprechen, da sie nur vier Titel hat und diese aber bis zu 20 Minuten dauern. Und da möchte ich mal meine moderierenden Kollegen sehen, wenn der Song einfach nicht aufhören will. Zum anderen, dass sich Schall im Vakuum ausbreitet. Luke Skywalker rast in diesen doch schon einsatzbereiten Todesstern rein, wirft eine Mine rein, und …...plopp......, der Todesstern explodiert. Aber man hört nix. Nicht mal einen Floh husten. Explosion ohne großen Krawall sieht einfach nicht gut aus. Deswegen lärmt es ständig in diversen Filmen, was aber völliger Blödsinn ist. Achten Sie mal drauf beim nächsten Mal. Man sieht übrigens auch keinen Laserstrahl, aber das führt an der Stelle zu weit.
Die Reihe der Assoziationen zu dieser Band ist schon abenteuerlich. Jedenfalls in meinem Kopf. Das erste, was ich von dieser Band las, war ein Bandname, den ich in meiner Schludrigkeit als Basstronaut registrierte! Eine Band, die im Namen schon den Begriff Bass trägt, kann nur ordentlich laut und basslastig daher kommen; wie z.B. Bassface Sasha. Da das aber derzeit so gar nicht in meine Stimmung passt, schlummerte diese Platte erst einmal eine Woche in einer dunklen Schublade. Als ich sie wieder ins Licht zurück zerrte, merkte ich meinen Irrtum: nicht Bass-, sondern Brasstronaut; Brass wie Messing, Grabplatte oder eben auch Blechblässer. Also ein trompetender Astronaut, der sich zurück auf die Erde begeben hat. Gute Idee, denn im Weltall hört ihn ja keiner, nicht nur der Entfernung wegen - ich sage nur Vakuum, Schall.

Es muss nicht immer lärmend auffällig sein. Es geht auch ruhig und bescheiden. Sechs junge Menschen aus Vancouver, die sich gemeinsam Brasstronaut nennen, haben mit ihrem zweiten Album einen Ort der Ruhe geschaffen. „Mean Sun“ ist ein Wallfahrtsort des Allmählichen, der langsamen Bewegungen. Es gibt sie hier nicht, die großen Refrains, die pompösen Songstrukturen. Gemächlich entfalten Brasstronaut ihre Songs, die atmen, inne halten und obendrein ein spannendes Eigenleben entwickeln. So wandelt der Titeltrack in aller Seelenruhe durch sonnenverbrannte Ödnis, schreitet mit einer ihm eigenen Würde voran. Das Majestätische eines Spazierganges durch verlassene Landschaften. Dennoch, hier ist Leben. Die Songs haben eine unterschwellige aber durchaus dynamische Rhythmik.  Da gibt es Handclaps, die einen Song in Bewegung setzen und die für sich gesehen durchaus lebhaft sind. Trotzdem langweilt dieses Album nicht. Man lauscht vielmehr fasziniert dem Mäandern eines Songs wie „Revelstoke Dam“, welches durchaus belebt, eine Tour über sonnige Blumenwiesen unternimmt. Aber auch hier ist das Verträumte, fast schon Mystische, nicht weit.  Es gibt immer wieder Kleinigkeiten zu entdecken, wie die Holzorgel in „Hymn For Huxley“, und überhaupt sind diese Songs allesamt von einer kompositorischen Raffinesse geprägt, die sich im Kleinen, im Detail niederschlägt. Unaufgeregte Songs, die sich vom Spektakel abwenden, die dennoch bescheiden Aufmerksamkeit erregen, das ist „Mean Sun“. Ein Album, welches sich ganz allmählich festsetzt im Gehörgang und von dort auch nicht so schnell verschwinden wird. Ein wunderschönes Album, das durch seine Ruhe besticht. Was nicht heißt, dass Brasstronaut auch mal aus sich herausgehen sollten und die Songs in Richtung Abgrund steuern könnten - wie es die Kollegen von Arkade Fire vormachen.

„Brasstronaut“ sind unkonventionelle Songwriter, die die Gabe haben, unterschiedliche Instrumente wie Klarinette, Slide-Gitarre, Trompete, Synthesizer, Stimme und Geräusche so zu kombinieren, dass Unerwartetes und Melodien entgegen der sonst bekannten Strukturen entstehen. In ihrer Heimat wurden „Brasstronaut“ für ihre Musik mit dem „Socan Echo Prize 2010“ ausgezeichnet.

Wir hören Revelstoke Dam, viel Spass!

(Dennis Klostermann)

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