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Tonspur

Tonspur vom 20.11.2012

Paul Banks - BANKS - Der Name Paul Banks dürfte nicht jedem bekannt sein. Dieser junge Mann singt in einer der erfolgreichsten Bands der letzten zehn Jahre. Vielleicht nicht finanziell, aber es vergeht kein Monat in dem wir nicht ein Promo einer Band bekommen, die versucht diesen Sound zu adaptieren. Ein Sänger versucht möglichst tief zu singen, die Gitarre schneidet und die Rhythmussektion treibt. Manche stellen sich dabei gar nicht so schlecht an, aber das Urteil bleibt - „hört sich irgendwie nach Interpol an“.
Banks hört sich auch irgendwie nach Interpol an. Klar, ist ja auch der Sänger der Band, die sich derzeit eine Auszeit gönnt. Zumal schon das letzte Interpol-Album nach dem Weggang des Bassisten Carlos Dengler etwas uninspiriert daherkam.
Zeit, in-sich-zu-gehen und die Songs zu schreiben, die man schon immer aufnehmen wollte, die aber nie ins Bandkonzept gepasst haben. Bisher unter dem Pseudonym Julian Plenti tätig, legt Paul Banks mit Banks sämtliche Maskeraden und Mysterien ab und veröffentlicht ein Album. Denn wo Banks drauf steht, sollte auch Banks drinnen sein!
Wer Interpol mag, wird von dieser Platte nicht enttäuscht - auch wenn sich die Plattenfirma bemüht, etwas anderes zu erzählen. Natürlich sind die Songs vielschichtiger, Paul Banks emotionaler und die Gitarre geht weniger schnittig zu Werke. Aber über allem thront diese Stimme, dieser Bariton, der so viele Sänger diverser Düsterrockband beeinflusst hat. Er bringt diese Art der Musik auf den Punkt. Er singt so wie Vampire singen würden, wenn sie singen könnten und sich nicht in die „Rocky Horror Picture Show“ verirrt haben.
Banks entledigt sich des atmosphärischen Mantels und befreit sich von der Schwere des Pathos, der sein Tun bisher gleich eines Schattens begleitet hat. Der dadurch frei gewordene Raum wird mit vielschichtig gewebtem Songwriting und filigranen Arrangements gefüllt. Zentrales Element bleibt jedoch die Gitarre. Tracks wie das düstere Arise, Awake und Young Again dürften jedoch all jene, die jetzt niedergeschlagen seufzen, entsprechend entschädigen.
Die zehn Titel des Albums entstanden über einen längeren Zeitraum, als Banks mit dem letzten Interpol-Album auf Tour war. Er beschreibt Songwriting als Entspannung zwischen Gigs und Terminen als "Quality Time" für sich. Die verschiedenen Einflüsse, die er in dieser Zeit sammeln konnte, spiegeln sich deutlich in der Art und Weise des Albums wider. Das Songwriting steht eindeutig im Fokus und die Person Banks tritt in den Hintergrund und verzichtet auf die gewohnte Inszenierung - was sich am gänzlich gesangsbefreiten Lisbon manifestiert. Ähnlich Konstantin Gropper arbeitet Banks auch erstmals mit cineastischen Vocalelementen und Samples aus Filmen.
Paul Banks scheint sich erfolgreich fallen gelassen und sich von seinem Ego und der Aura des mysteriösen Unsympathen gelöst zu haben. Diese Demaskierung öffnet Räume für Banks als Songwriter, wie er bisher noch nicht zu hören war, und liefert den Rahmen für eines der (zu Recht) am heißesten erwarteten Alben des Jahres.
Dieser Tage erscheint auch die remasterte Fassung des Interpoldebüt: "Turn On The Bright Lights".

(Dennis Klostermann)

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