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Kommentar

Kommentar vom 09.01.2013

Kommentar zum Wegfall des Fernverkehrs - Es kommt wohl so, wie es Viele schon befürchtet hatten. Die Bahn kündigt an, sämtliche ICEs, die bisher über die Alte „Thüringer Bahn fuhren“, ab dem Fahrplanwechsel 2015 komplett über die Neubaustrecke Erfurt Halle/Leipzig fahren zu lassen.
Und sie setzt sogar eins drauf: Auch vor 2015, wird der Kulturbahnhof die meisten ICEs, wie bisher, nur durchrauschen sehen.
Das Publikum bei der gestrigen Podiumsdiskussion reagierte erstaunlich gelassen auf diese Botschaft. Der Protest müsse eigentlich viel mehr den Verantwortlichen der Politik gelten, so das Echo.
Und damit haben sie nicht ganz Unrecht: Die Deutsche Bahn ist eben in den 90er-Jahren privatisiert worden. Ihr Hauptunternehmensziel ist es nun mal, einen maximalen Gewinn zu generieren. Die Zeiten der Alten Bundesbahn sind vorbei! Heute muss sich die Bahn bei den Fahrzeiten mit der Luftfahrt messen, um bei den zahlungskräftigen Geschäftsreisenden konkurrenzfähig zu sein. Und das geht nun mal nur über Schnellfahrstrecken. Die Achse Frankfurt Köln ist dafür das beste Beispiel. Durch das Projekt „Deutsche Einheit Nr. 8“ ist man ab 2015 dann auch zwischen München und Berlin mehr als konkurrenzfähig.
Nur das zählt für die Bahn. Und nicht, die rüstige Rentnerin umsteigefrei aus Frankfurt mit dem ICE in der Klasssikerstadt zu bringen...
Dass die Bahn ab Dezember 2015 die ICEs über die Schnellfahrstrecken führt, ist ja auch kaum verwunderlich. Damit haben sich die Meisten auch schon abgefunden. Da hilft auch der Kompromissvorschlag des Bahnbündnisses „Nächster Halt Weimar“ nicht. Die Bahn wird wohl kaum einen ICE-Zugteil in Erfurt abtrennen, um ihn dann über die Altstrecke weiterfahren zu lassen. Dafür haben Weimar und Naumburg nun wirklich kein genügendes Fahrgastaufkommen.
Das Bündnis sollte sich ab jetzt besser auf einen ganz anderen Punkt konzentrieren: Die Intercitys. Diese verschwinden nach bisherigem Planungsstand ja komplett aus Thüringen. Doch: Einen kleinen Funken Hoffnung gibt es ja noch für die Mitte-Deutschland-Verbindung in Richtung Jena und Gera. Gerüchte von den neuen Doppelstock- Intercitywagen, in Verbindung mit Dieselloks, machen die Runde. Im Februar will sich die Bahn hierfür mit den betroffenen Oberbürgermeistern treffen und Mitte März die Ergebnisse präsentieren - Gut fünf Wochen Zeit also noch, um Druck auszuüben! Bahnbevollmächtigter Volker Hädrich machte den Weimarern gestern nämlich nicht so große Hoffnungen, was eine regelmäßige IC-Verbindung dort angeht. Doch genau hier, liegt die letzte Chance für die Klasssikerstadt. Wenn es gelingt, eine zweistündige Intercity-Linie aus dem Ruhrgebiet in Richtung Ostthüringen, vielleicht auch noch weiter in Richtung Chemnitz, durchzusetzen, wäre den Städten Weimar und Jena viel geholfen. Durch die Doppelzugwagen könnte die Bahn kleine Züge fahren zu lassen, die auch betriebswirtschaftlich gesehen, mit geringen Fahrgastzahlen rentabel laufen könnten. Ein Nutzung der Züge mit Nähverkehrstickets ab bzw. bis Erfurt, könnte ein zusätzlicher Anreiz für die Ostthüringer sein, diese Züge auch zu nutzen.
Dass man jetzt aber überhaupt so kämpfen muss, hat Gründe, die weit in der Vergangenheit liegen. Schuld sind da nicht nur die Neubaustrecken. Vielmehr hat es die Politik verschlafen, als der Bau der Neubaustrecken beschlossen wurde, die Mitte-Deutschland-Verbindung rechtzeitig fit für die Zukunft zu machen. Wäre die Strecke zwischen Weimar und Gera schon heute zweigleisig und elektrifiziert, wäre wohl niemals über einen Wegfall des Weimarer Fernverkehrshaltes diskutiert worden. Deshalb gilt es nun, genau dort schnell zu arbeiten: Wenn die Strecke schnell ausgebaut wird, kann der Bahn auch wirklich eine Alternative zu den neuen Schnellfahrstrecken aufgezeigt werden.
Denn langfristig müssen einfach wieder regelmäßig Fernverkehrszüge in Weimar halten. Niemand darf jetzt komplett resignieren und aufgeben. Dafür ist der Halt einfach zu wichtig für die Stadt. Die Touristen, die die Kulturgeschichte Weimars genießen möchten, sind eben meist höheren Alters und wollen nicht zig mal umsteigen. Aber auch Tagungsgäste und Wirtschaft brauchen eine schnell Anbindung an den Rest der Republik.
Deshalb nochmal der Appell an Alle: Kämpfen und der Bahn zeigen, dass zumindest eine IC-Verbindung unverzichtbar für die Kundschaft der Bahn ist. Und! Ein Zusammenschluss des Bündnisses mit Jena und Gera sollte auch eine Überlegung wert sein. Hand in Hand für den Erhalt des Fernverkehrs in Ostthüringen! (...)

(Lukas Ramsaier)

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