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Neulich im Netzwerk

Neulich im Netzwerk vom 22.01.2013

Schnee und Satelliten-Antennen - Das ganze Netz ist voller Schnee. Von traumhaften Winter-Fotos über Gemecker bis hin zu andächtigem Staunen über das wundervoll weiße Geglitzer. Nicht zu vergessen, all die Kleinkinder-Eltern, die plötzlich Schneemänner bauen und rodeln müssen und überrascht feststellen, dass sie das viel zu lange nicht mehr getan haben, wo es doch so ein Riesen-Spaß ist. Gleich zu Beginn – zu denen gehöre ich nicht. Ich hab den Spaß nicht vergessen, vielleicht, weil zwischen meiner Kindheit und der meiner kleinen Tochter noch die Schneemänner oder besser Schneekatzen der großen Tochter lagen. Und trotzdem rodele ich nicht gerne. Vor allem, weil man nach dem kurzen Vergnügen sehr lange den Schlitten den Berg hochziehen muss. Und da sind wir auch schon beim Thema: Jedes Ding hat zwei Seiten. Keine Sorge – ich halte diesen banalen Fakt nicht für eine neue Weisheit. Aber der Schnee macht es mir mal wieder bewusst. Während die Berufspendler nahezu einhellig schimpfen über glatte Straßen und Zugverspätungen und während in der Stadt graugelber Matsch die Straßenränder unpassierbar macht, schaue ich aus meinem Fenster auf eine weiße, glitzernde Wunderwelt. Zwar kann ich nicht über den Hof laufen, ohne mir vorher den Weg frei zu schaufeln, aber das Schneeschippen verbrennt gleich früh am Morgen unendlich viele Kalorien. Und ja, ich muss Holz hacken, um den Küchenofen zu füttern, damit ich nicht so viele Pellets verheize, aber was gibt es besseres, als ein knisterndes Feuer nach dem Winterspaziergang mit Hund und Kind. Darüber hinaus scheint oft die Sonne. Und die Tage sind schon deutlich länger als beim letzten Schneefall. Von den Vögeln am Futterhaus fange ich jetzt gar nicht erst an. Und bevor ich mich und meine Hörer jetzt völlig im Schnee verliere, schaue ich lieber auf die Wahlergebnisse in Niedersachsen: Egal, wie knapp das Ganze am Ende ausging – auf Facebook lästern die einen und die anderen jammern. Studien zufolge nutzen übrigens SPD und Grüne soziale Netzwerke wesentlich intensiver als FDP und CDU. Aber das nur nebenbei. Und auch hier: für manche ist das Ergebnis großartig, für andere niederschmetternd. Ein paar Einträge zurück – Weihnachten las sich das genau so. Die einen meckerten über den Stress und hatten Streit mit der ganzen Familie, andere schrieben von Liebe, Lichterglanz und strahlenden Kinderaugen. Oder Silvester: Die einen böllerten Hunderte von Euro in die Luft – andere waren froh, als der ganze Zauber vorbei war. Und ich meine nicht nur Leute, die im Krieg waren. Auch Tierfreunde leiden jedes Jahr mit ihren Lieblingen. Von dem ganzen Dreck am nächsten Tag will ich gar nicht reden. Und da bin ich schon wieder bei der letzten Wahl: Man staunt, zu wie viel Häme Leute in so genannten „sozialen“ Netzwerken fähig sind. Das Beste fand ich ja, dass die Wahlbeteiligung von nicht einmal 60% als „richtig gut“ bezeichnet wurde. Dabei war sie in Niedersachsen seit 1947 nur einmal schlechter. Im Gegenteil: es gab Zeiten, da gaben 84% der Wahlberechtigten ihre Stimme ab. War ja vielleicht auch der Schnee dran schuld. Schlechte Straßen, Flocken von oben – wer will da schon raus zum Wahllokal. Vielleicht können wir ja bald online wählen. Dann liegt die Beteiligung sicher deutlich höher. Was gut wäre. Denn ohne Wahlen funktioniert die Demokratie hier zu Lande noch schlechter als so schon. Ja, ja – ich weiß. All die Leute, die nicht zur Wahl gehen, wollen damit etwas zum Ausdruck bringen. Aber was? Dass keine Partei, die auf dem Wahlzettel steht, etwas taugt? Dann könnte man sie ja einfach alle durchstreichen, oder? Wollen die Menschen damit etwa deutlich machen, dass die repräsentative Demokratie ein Auslaufmodell ist? Eine Umfrage unter Nichtwählern hat kürzlich ergeben, dass der größte Teil von ihnen nicht einmal wusste, was repräsentative Demokratie überhaupt ist. Tja. Das legt den Gedanken nahe, dass Nicht-Wählen in Deutschland in den meisten Fällen kein politisches Statement, sondern die pure Bequemlichkeit ist. Oder Teilnahmslosigkeit. Die hier zu Lande ja schön gezüchtet wird von Richter Hold, Dschungelcamp, Frauentausch und wie sie alle heißen, die TV-Formate, die den Kopf so schön von unnützem Denken befreien. Und da bin ich schon wieder beim Schnee: Hier auf dem Land empfängt man Fernsehen nämlich mit Satelliten-Antennen. Und wenn da Schnee drauf liegt, sagt das Gerät: „Kein Signal“. Wie auch. Und während ich für Dr. House die 8-Meter-Leiter aus dem Schuppen geholt, mir ordentliche Schuhe angezogen, einen Besen geschnappt und das Teil vom Schnee befreit hatte, konnte ich mir das ja gestern Abend sparen. Denn mal ehrlich: wer klettert schon fürs Dschungel-Camp im Dunkeln auf eine wackelige Leiter? Ich jedenfalls nicht.

(Grit Hasselmann)

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