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Neulich im Netzwerk

Neulich im Netzwerk vom 19.03.2013

Schnee im Mai - Eigentlich hatte ich geschworen, dass ich das nie tun würde. Nie! Aber so ist das eben mit dem Schwören, man soll es doch lieber lassen. Denn: wenn ich am 19. März morgens als erstes auf den Hintern falle, weil der frische Schnee im Hof jetzt auch noch gefroren und glatt ist, dann bleibt mir gar nichts anderes übrig! Ich muss übers Wetter reden! Schneeglöckchen sollten meinen Weg zur Arbeit säumen, die ersten Tulpen sollten schon ihre Stängel aus den Blättern schieben. Es sollte zwitschern, duften und strahlen. Und was tut es? Es schneit. Es schneit! Und dann taut es und matscht. Und wenn man sich gerade mit Frühblühern und erstem frischem Grün trösten will – genau: dann friert es. Und es schneit. Wer will so was? Selbst die Kinder bauen keine Schneemänner mehr. Sie haben die Nase auch voll von Mützen, Skihosen, Wattejacken. Von trockener Haut, ständigem Eincremen und Heizungsluft. Und was das kostet! Dieser lange Winter wird richtig teuer – heiztechnisch gesehen. Gut – einen Teil des Geldes krieg ich wieder rein, weil ich nicht immerzu in sündhaft teuren Straßencafès rum sitze. Voriges Jahr um diese Zeit hatten wir übrigens 20°. Heute wäre ich schon mit 10 – 15 zufrieden. Ah – vielleicht ist es ja das: das Wetter will uns Bescheidenheit lehren. Aber mit meiner Lernfähigkeit ist es auch nicht so gut bestellt bei Schnee im März. Zwar werden die Tage deutlich länger, aber zum endgültigen Vertreiben meiner Winter-Depressionen brauche ich auch langsam mal Farben. Düfte. Lächelnde Leute. Ich bin mittlerweile ein echter „Wintermuffel“. Die glitzernde weiße Fläche, die mich vor einigen Wochen noch zum Spazieren gehen verleitet hat, verliert echt ihren Reiz. Zumal die Landschaft, wenn kurzzeitige milde Wettereinbrüche die ganze weiße Pracht gekillt haben, echt traurig aussieht. Dazu überall das Husten und Niesen. Ständig ist man von Kranken umgeben. Und auch, wenn ich selber meine Erkältung hinter mir habe, traue ich dem Frieden nicht. Wenn das so weiter geht mit dem Wetter, kriege ich sicher noch eine. Sehr schön ist es auch, mit einem Wetter-Fan zusammen zu wohnen. Wenn ich frage, was wir am Wochenende machen wollen, guckt mein Freund erstmal ins Internet. Aber nicht, um zu sehen, was im Weimarer Land so los ist. Nein – er guckt, wie das Wetter wird und danach entscheidet er dann. Super! Aber versuchen wir es mal mit positivem Denken. Am Samstag, als die Sonne schien, ging das schon. Sicherlich stapfte der Eine oder Andere, um ganz sicher zu sein, noch mit langen Unterhosen durch die Winterlandschaft. Schließlich konnte man nicht umsichtig genug sein. Doch trotz allem gab es wie so oft rote Nasen, kalte Ohren und klamme Finger. Aber, es wird besser werden. Spätestens im Juli schimpfe ich dann wieder über die Hitze. Es ist der alte Trott! Die Menschen sind nicht anders als sonst. Die Arbeit ist nicht anders als sonst. Ich bin nicht anders als sonst. Trotz guter Vorsätze zum Jahresbeginn. Und sonst? Die Natur gibt sich echt Mühe. Sie setzt jetzt vorsichtige Farben gegen das Grau des Winters ein - und mit etwas Glück spielt die Wetterentwicklung manchmal sogar mit. Irgendwann in nächster Zeit stecken die Schneeglöckchen die Knospen aus der Erde. Die Haselnusssträucher werden bald wieder blühen. Dann werde ich im Netzwerk statt Wetter-Gemecker wieder viel über Heuschnupfen lesen. Und schlechtes Wetter hat ja auch gute Seiten. Immerhin neigen die Menschen dann zu höherer Produktivität, hat jetzt eine Studie ergeben. Zumindest dann, wenn sie nichts an gutes Wetter erinnert. Das kann ja nun dieses echt Jahr nicht passieren. Denn der Winter ist jetzt schon so lang – wer kann sich da noch an schönes Wetter erinnern? Eigentlich gibt es nur eine Wetter-Sache, die mich noch mehr nervt als endlose Winter: wenn ich dann mit nassem Hintern im Auto sitze und im Radio den Wetterbericht höre. Da sagt mir ein Meteorologe oder ein Sprecher, dass es draußen glatt ist und nass. Dass es bewölkt ist und windig. Hallo? Das weiß ich bereits! Dafür muss ich nur aus dem Fenster gucken oder zur Arbeit gehen. Was mich interessiert ist, ob es bald besser wird. Aber – das Beste zum Schluss – es wird besser. Ich verspreche es. Wir haben bald 20 Grad und Schneeglöckchen und Straßencafés und all das. Es gab in Weimar noch nie Schnee im Mai!

(Grit Hasselmann)

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