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Hörbuchrezension

Hörbuchrezension vom 19.03.2013

"Die Abenteuer des Joel Spazierer" von Michael Köhlmeier - Das Hörbuch, welches wir Ihnen heute vorstellen wollen wird derzeit auf dem deutschsprachigen Literaturmarkt hoch gehandelt. Von „Preisverdächtig“ bis hin zu „Langeweile ohne Ende“ reichen die Kritiken, es ist nahezu alles dabei vertreten.
Der Roman des österreichischen Autoren Michael Köhlmeier „Die Abenteuer des Joel Spazierer“, in Buchform immerhin 656 Seiten dick, scheint also zu polarisieren.
Shanghai Drenger hat das Hörbuch dazu in Angriff genommen und ist jetzt hier bei mir im Studio.

Lukas Ramsaier
Ich sagte eben „du hast das Hörbuch in Angriff genommen“, weil ich weiß, dass du es nicht bis zum Ende gehört hast. Warum eigentlich nicht?

Shanghai Drenger:
Wir müssen wissen, wenn wir dieses Hörbuch angehen, dass es aus 4 CDs besteht, die allerdings als mp3-CDs geliefert werden und eine Gesamtspieldauer von 31 einhalb Stunden haben. Das ist also in gewisser Weise gaaaanz großes Kino, also wenigstens vom Format her. Ich gestehe, die Zeit hatte ich bisher leider nicht, ich betone: leider, denn die Geschichte an sich gibt einiges her, was mich brennend interessiert.

Lukas Ramsaier:
Wie weit bist du gekommen?

Shanghai Drenger:
Ich glaube, ich habe jetzt zirka vier Stunden hinter mir.

Lukas Ramsaier:
Also, bei dir lag es jetzt vorherrschend an der mangelnden Zeit. Kannst du die Kritiken zu diesem Buch trotzdem verstehen? Die reichen ja, wie gesagt, von Hop bis Flop.

Shanghai Drenger:
So krass würde ich das gar nicht mal sehen. Also, es gibt sehr unterschiedliche Meinungen zu diesem Roman. Und das finde ich gut, denn die Geschichte kann aus ganz unterschiedlichen Perspektiven betrachtet und somit auch gewertet werden. Ich zitiere mal aus dem Klappentext:

"Ich besaß nie den Ehrgeiz, ein guter Mensch zu werden." Joel Spazierer, geboren 1949 in Budapest, wächst bei seinen Großeltern auf und ist vier Jahre alt, als sie von Stalins Schergen abgeholt werden. Fünf Tage und vier Nächte verbringt er allein in der Wohnung und lernt eine Welt ohne Menschen kennen. Es fehlt ihm an nichts, er ist zufrieden. Eher zufällig findet ihn seine Mutter, die noch Studentin ist. Joel Spazierer lernt nie, was gut und was böse ist. Sein Aussehen, sein Charme, seine Freundlichkeit öffnen ihm jedes Herz. Er lügt, stiehlt und mordet, ändert seinen Namen und seine Identität und betreibt seine kriminelle Karriere in vielen europäischen Ländern.
Und dazu gab es in der Öffentlichkeit sehr unterschiedliche Kritiken, so zum Beispiel in der Frankfurter Rundschau. Dort heißt es unter anderem:

Der Autor hat einen waschechten Halunken losgelassen, verrät der Rezensent: als Kind bietet Spazierer noch seine Dienste auf dem Strich an, fängt aber dann recht fix das Morden an, zunächst die Mutter seines besten Freundes. Später lügt und betrügt er sich durch den Kalten Krieg, durch "New York, Moskau, Berlin und wieder zurück" und weiter „sein Mangel an Glauben und Werten lässt Spazierer aber hin und wieder mitreißend predigen: "Hütet euch, etwas zu erfinden, wofür sich zu leben lohnt, denn dafür lohnt es sich auch zu sterben und zu töten"

In der Neuen Zürcher Zeitung ist zu lesen:
Michael Köhlmeier kann seine Figur noch so krullmäßig schelmisch anlegen. So ambitioniert dem Rezensenten die Anlage des Romans in Episoden und der Einfallsreichtum des Autors, der den Leser durch die halbe europäische Geschichte der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts führt, auch erscheinen - der Funke zündet nicht.
Da ist also eher Langeweile angekündigt. Ganz anders hingegen wird der Roman in der „Zeit“ bewertet:
Ginge es im Literaturbetrieb gerecht zu, meint Michael Maar, Michael Köhlmeier müsste für seinen neuen Roman "Die Abenteuer des Joel Spazierer" mit Preisen überhäuft werden.

Lukas Ramsaier:
Wie kommst du mit der ruhigen Erzählweise des Autoren klar?

Shanghai Drenger:
Ganz ehrlich muss ich gestehen, dass mich, insbesondere am Anfang lange Passagen eher gelangweilt haben. Nimmt man sich aber mal etwas länger Zeit zum Hören, dann wird’s doch irgendwie interessant. Ich kann gar nicht mal sagen, woran das gelegen hat. Vielleicht ist es erstmnal die ganz betuliche Lesung des Autoren, der aber eben auch weiß, was er da liest, denn er hat die Figuren erfunden. Diese Gelassenheit, diese Ruhe ist zum Teil zum Weglaufen, andererseits aber vollkommen authentisch und angebracht.

„Die Abenteuer des Joel Spazierer“ von Michael Köhlmeier sind sowohl als Buch im Hanser-Verlag, als auch im Hörverlag als Hörbuch erschienen.
Das Hörbuch umfasst vier mp3-CDs mit einer Spieldauer von 31einhalb Stunden und wird vom Autoren selbst gelesen.
Im Handel gibt es das Hörbuch für 24,90 Euro.

(Shanghai Drenger)

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