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Tonspur vom 11.04.2013

Woodkid "The Golden Age" -

Es ist schon einen knappen Monat her, da erscheint das von allerhand heimlichen Fans das seit mindestens 2 Jahren heiß ersehnte Debüt-Album mit dem Titel:„The Golden Age“ von Woodkid.
Wers'n das (?) mag da so mancher fragen - und ich kläre das auch gleich mal auf:
Yoann Lemoin alias Woodkid ist irgendwie alles in einem und das ganz schön viel: Regisseur, Produzent, Komponist, Texter, Sänger, Illustrator, Bastler, Tüftler und höchstwahrscheinlich auch Perfektionist.
Besonders den Daddelfreunden von Action-Adventures dürfte er schon länger ein Begriff sein (ich weise hier auf die eingangs beschriebenen Fans hin). Das 2o11 erschienene schwarz-weiss-Video zum EP-Titel „Iron“ sorgte derzeit nicht nur für sehr viele Klicks im Netz siebenstelligen Bereich, sondern auch dafür, dass der Titel zum Soundtrack für die Werbekampagne vom Computerspiel „Assassin's Creed: Revelation“ auserwählt wurde.
Ein Turnschuhhersteller und ein sehr bekannter Modeschöpfer erlagen kurz darauf ebenfalls den eingängigen Bombastklängen und untermalten ihre Präsentationen mit Woodkids Kompositionen. Ich erwähne hier nur nebenbei, dass Woodkid auch Schöpfer von diversen Musikclips ist: beispielsweise für Moby oder Lana del Rey (für die er ebenfalls den einen oder anderen Preis einheimsen konnte). Soweit ist damit auch klar: um Geld braucht sich der frischgebackene 3o-Jährige nun wirklich keine Sorgen zu machen. Der Albumtitel „The golden Age“ könnte daher kaum zutreffender sein - Und hier leite ich ganz unumwunden auf's Album ein:
Im gleichnamigen ersten Titel singt er allerdings „The golden Age is over...“ damit hat er ja auch ganz schön recht, wie wir ja alle wissen (jedenfalls global betrachtet) - und ja, hier singt einer vom Verlust von Unschuld und Jugend, vom Erwachsenwerden und der damit verbundenen schmerzlichen Bitterkeit mit traurig-lässiger Stimme, die ein wenig an Antony Hagerty von Antony & The Johnsons erinnert, nur nicht ganz so weinerlich ist (was evt. auch am leicht akzentuierten Englisch des Franzosen liegt).
Offenbar ein Grund mehr, diesen Weltschmerz-Texten die volle musikalische Packung entgegenzusetzen: Es ist, als hätte sich Woodkid im Wagnerjahr 2013 vorgenommen, dem alten Musik-Granden zu zeigen, dass die Bezeichnung „richtig fett“ noch eine Untertreibung sein kann.
Oder noch anders: Ziehen sie doch einfach den imaginären musikalischen Vorhang dieses tatsächlichen Konzeptalbums auf: und tataa ! Es erscheint Pathos, der aggressive Attacken gegen wen auch immer reitet - aber dabei nie die Ästhetik vergisst: Trompeten, Fanfaren, Trommelgedonner, dominante Pianomelodien, epische und opulente Orchestrierungen durchweg bewirken, dass du sofort in deinem ganz persönlichen Soundtrack die Schlachten in deinem Leben hier und gleich und jetzt sofort schlagen musst. Und das Ganze bitte natürlich erfolgreich! Und richtig: Woodkid betonte selbst in einem Interview seine hohe Affinität zur Filmmusik und meint, dass er genau das will, dass sich die Leute wie Helden fühlen, wenn sie sein Album hören.
Auf den ersten Horcher wirkt die Musik schnell etwas prätenziös (was evt. auch daran liegt, dass mehrfach der Gedanke kommt, dass hier einfach mal so die ganz Großen wie Mozart, Bach und Beethoven oder auch Grieg in eine Flasche gestopft wurden, noch ein Schuss Morricone, Glass & Co dazu - und noch mal kräftig durchgeschüttelt: ich gebe zu, das sollte man schon irgendwie mögen und sich wirklich darauf einlassen können ...
Wenn ich meine Favoriten benennen müsste, so ist das bei diesem Album ehrlich nicht leicht - bei Konzeptalben eigentlich fast nicht möglich.
„Conquest Of Spaces“ oder „The Other Side“ sind zweifellos musikalische Höhepunkte; sehr symphatisch sind mir aber auch der fragil-sanftmütige „Boatsong“ und „The Great Escape“ eine fast-lustige 50's-Western-Gute-Laune-Fanfaren-Schnulze.
ALLES an diesem Album ist GROSS(!)..artig – denn kleiner kann Woodkid wohl nicht:
und DAS ist meine einzige Kritik daran.

(Sophia Springer)

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