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Neulich im Netzwerk

Neulich im Netzwerk vom 28.05.2013

Spielen – aber richtig! - Als ich neulich mein Bücherregal sortiert habe, fiel mir ein merkwürdiges Buch in die Hände. Der Titel: „Spielen mit Babys und Kleinkindern“. Glücklicherweise war es noch eingeschweißt. Muss mir also jemand geschenkt haben. Dumm nur, dass ich es nicht weiter verschenken kann. Denn was würde das aussagen? Dass der Empfänger – oder besser, die Empfängerin – nicht in der Lage ist, zu spielen? Ist es mit unserer Gesellschaft schon so weit gekommen? Dass jemand, der ein Kind bekommt, aus Büchern lernen muss, wie er mit diesem Kind spielt?

Schlimm genug, dass es Millionen von Kleinkinder-Spielsachen zu kaufen gibt, die alle darauf abzielen, dass das kleine Wesen sich alleine beschäftigen kann. Schlimm genug, dass es eine Werbung braucht, die uns rät, das Kind in uns nicht zu vergessen. Schlimm genug, dass es ganze Generationen von Erwachsenen gibt, die irgendwelche Störungen aus ihrer Kleinkinderzeit mit sich herum schleppen. Warum auch immer. Jetzt sollen wir das unseren Kindern auch noch weitergeben?

Kann ein Vater oder eine Mutter sich nicht einfach mit dem Kind irgendwo hin setzen und warten, was passiert? Das Baby zeigt einem doch, was es braucht und was es will. Es reicht, das Kleine einfach zu beobachten, Ideen aufzugreifen. Sich einzulassen auf das Spiel. Egal, ob es die Finger sind, ein Stöckchen, Fransen von einem Schal – für Baby ist alles spannend. Kinder können mit allem spielen. Und sie tun das auch. Und sie brauchen dafür keine geschulten Eltern. Das Einzige, was sie brauchen, ist Zuwendung. Dass man da ist. Auch mental.

Wenn ich mit dem Hund spiele, ist der glücklich, wenn ich stundenlang immer wieder den Tennisball weit weg werfe. Egal, ob ich dabei mit jemandem rede oder über den nächsten Kommentar nachdenke. Das Baby dagegen will totale Zuwendung.

Aber es kommt auch damit klar, wenn ich beschäftigt bin. Dann beobachtet es, was ich tue, probiert es nachzumachen. Und auch das ist Spiel. Aber leider wird das den Kindern auch schwer gemacht heutzutage.

Wenn sie versuchen, beim Kochen zu helfen, wird gleich eine Kinderküche gekauft, die dann in der Ecke verstaubt. Denn der kleine Fratz wollte einfach mal im Kochtopf rühren, um zu sehen, wie es sich anfühlt. Wenn man einfach einen Hocker holt und ihn rühren lässt, verliert er nach kurzer Zeit die Lust. Und sucht sich eine neue Herausforderung.

Wenn er dann mit seinen kleinen, dicken, dreckigen Fingern an der Gitarre rumspielt, wird sie weg genommen und er bekommt eine Kindergitarre. Oder wird gleich zum Kurs angemeldet.

Das führt dazu, dass die Kleinen irgendwann keine Lust mehr haben, etwas auszuprobieren. Sie lernen schnell: Das Risiko ist einfach zu hoch.

Ein kleines Kind ist von Natur aus ein soziales Wesen. Die Idee, es erst dazu erziehen zu müssen, ist schräg. Man muss ihm nur die Regeln des Zusammenlebens beibringen. Und ein Kind muss auch nicht lernen, zu spielen. Genau so wenig wie seine Eltern. Für ein kleines Kind ist auch die Vorstellung, dass es bestimmte, feste Zeiten zum Spielen gibt, nicht zu vermitteln. Alles in seinem Leben ist Spiel. Und alles bringt ihm neue Erfahrungen.

Und keiner muss Angst haben, das Kind zu überfordern oder zu unterfordern. Solange jemand eine intakte Beziehung zu seinem Nachwuchs hat, wird er oder sie spüren, was zuviel ist und was zu wenig.

Es ist wie mit den Fragen. Es gibt Bücher, die fast auf den Tag genau festlegen, wann Eltern mit ihrem Kind über bestimmt Themen reden dürfen. Und noch schlimmer: es gibt Eltern, die halten sich daran.

Dabei ist es ganz einfach: wenn das Kind alt genug ist, zu fragen, ist es auch alt genug für die Antwort. Natürlich muss man Worte finden, die es versteht. Kein Kleinkind will auf eine – aus seiner Sicht – ganz einfache Frage einen wissenschaftlichen Vortrag hören. Aber das sollte ja möglich sein. Oder?

Und dass ein Stein eine verletzte Katze oder ein Stock ein Schwert sein kann, ist doch auch nicht so schwer zu begreifen. Und dass Blumen zum Abpflücken da sind und Blätter zum Sammeln, leuchtet ebenso sofort ein. Muss ich noch erwähnen, wofür Pfützen gemacht werden?

Alles klar. Bitte, liebe Eltern, vergesst all diese Bücher und spielt einfach mit euren Kindern!

(Grit Hasselmann)

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