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Tonspur

Tonspur vom 02.06.2013

Portugal. The Man - Evil Friends -

Ich nehme es vorweg: Seit Alt-J´s Debut im letzten Jahr hat mich keine Indie-Pop-Platte von Anfang an so begeistert, wie es Portugal.TheMan mit ihrer aktuellen Veröffentlichung „Evil Friends“ schaffen. Grund genug für mich, mal bei den Kollegen zu schauen, was die über das Album so schreiben – schließlich will man sich ja vergewissern, ob es noch andere da draußen gibt, die ähnlich denken. Ich mache das normalerweise nicht so gern, denn wie allzu oft in solchen Fällen, stehe ich danach ziemlich ratlos da. Und dieses Gefühl stellt sich bei mir auch hier ein, wenn ich Sätze lesen muss, wie: „Mit der Hilfe von Danger Mouse wird die Musik ein wenig kommerzieller und für die breite Masse zugänglich. Trotzdem bleibt es weiter melodisch und magisch.“ Ach so, die breite Masse mag also eigentlich keine Melodien.
Ähnlich unfreiwillig komisch geht’s dann weiter. Irgendwie finden so ziemlich alle, dass sich Portugal.TheMan nun endgültig vom Psychedelic verabschiedet haben und überhaupt ganz anders klingen, als es früher mal gewesen sein soll. Einer meint sogar, dass die sich nun wie Pink Floyd anhören. Ein anderer denkt, der Hörer würde sie jetzt mit den Arctic Monkeys verwechseln. Wieder andere schütteln die Genre-Tüte wild durcheinander. Heraus fallen dann Begriffe wie Funk, Prog-Rock, Akkustik-Folk, Post-Elektro, Nerd- oder Weirdo-Pop. Mal abgesehen davon, dass ich gar nicht weiß, was letztere Kategorien sein sollen, wage ich zu behaupten: Das ist alles vollkommener Blödsinn! Denn auch wenn ein Kollege meint: das gehöre „fast schon in den Bereich Pop“ und ein anderer „Das ist Pop, der keiner sein will“, sage ich: Dass ist Indie-Pop und das wollen die auch machen. Mensch, die sind doch auch nicht blöd, und wissen was sie tun. Lasst Euch also um Himmels Willen nicht verwirren.
Portugal.TheMans achtes Album in sieben Jahren knüpft nämlich genau dort an, wo sie vor zwei Jahren mit „In The Mountain, In The Cloud“ und dem wunderbaren Opener „So American“ aufgehört haben. Das war allerdings auch nicht anders zu erwarten; schließlich zeichnet abermals Brian Burton alias Danger Mouse als Produzent verantwortlich. Und musikalisch haben sie mit ihm wieder einen Schritt nach vorn gemacht. Das Repertoire der Instrumente ist reichhaltiger geworden. Bespielt werden neben allem Üblichen Piano, Keyboard, Percussions, Saxophon, Xylofon, Akustikgitarre, Streich- sowie – und das freut mich ganz besonders – Blasinstrumente. Geschickt werden Stil- und Tempowechsel eingebaut, was die Platte abwechslungsreich und spannend macht. Spannend sind auch die Texte, die manchmal böse, aber immer auch ein Stück weit nachdenklich stimmen – seien sie kryptisch oder eindeutig formuliert.
Alles in Allem möchte ich mich aber nicht zu weit aus dem Fenster lehnen, was die Bewertung der Platte letztlich angeht. Denn, und das ist dann mein erster Wehrmutstropfen, nachhaltig sind in meiner Vita fast ausschließlich Alben, die am Anfang komisch klingen. Und das tut „Evil Friends“ gar nicht, das gefällt mir auf Anhieb; sogar so gut, dass ich nicht weiß, was ich jetzt für einen Titel spielen soll. Lassen wir also das gute alte „Faludsche-Titel-6-Gesetz“ für uns entscheiden – was da sagt: Titel 6 ist meist die Nummer, die das Album am besten beschreibt – und spielen „Atomic Man“. Ein Titel, der die Platte wirklich repräsentiert.

(Christian Faludi)

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