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Hörbuchrezension

Hörbuchrezension vom 02.07.2013

"Steife Prise" von Terry Pratchett - „Steife Prise“ - es ist das 37. Buch Terry Pratchetts über die legendäre Scheibenwelt. Und wiederum rechtfertigt der Fantasy-König seinen Ruf als einer der erfolgreichsten Autoren des Königreiches. Doch was ist es, das die Pratchett-Romane so lesbar bzw in diesem Falle so hörbar macht?
Ich glaube, die Antwort liegt in Pratchetts Sinn für das Reale, welches sich immer und immer wieder in seiner als Fiktion deklarierten Literatur widerspiegelt. Es ist meist ein sehr auf die Hier-Welt bezogenes Thema, welches sich der Autor wählt, um daraus seine teils skurrilen, teils lustigen, teils bierernsten Romane zu stricken.

„Steife Prise“ klingt zunächst ein wenig nach einer Seefahrer-Geschichte, doch bleibt sie in weiten Teilen vielmehr irdisch, ja oft unterirdisch.
Dem Kommandeur der Stadtwache zu Ankh-Morpork, der Scheibenweltmetropole schlechthin, Samuel Mumm droht immense Ungemach. Seine liebende Ehefrau Lady Sibyl hat sich nämlich in den Kopf gesetzt, gemeinsam mit ihrem Mann zwei Wochen Landurlaub auf dem hochherrschaftlichen Familiensitz zu machen. Sam Mumm allerdings ist nicht nur überzeugter Stadtbewohner, für den Bäume zum Beispiel nichts anderes als, Zitat: „steifes Unkraut“ sind, nein, Sam Mumm ist nun einmal Polizist mit Leib und Seele, und ein arbeitswütiger dazu. Seine einzigen freien Tage hat er bisher notgedrungen verbracht, als er, in Folge irgendwelcher Straßenhändel, verletzt worden war, doch auch diese freien Tage lassen sich beinahe an einer Hand abzählen. Und nun das: Urlaub.
Doch Rettung naht, denn die Regel: wo ein Cop, da auch ein Verbrechen, bewahrheitet sich schnell und selbst wenn Mumm zwar nicht für die Gegend an sich zuständig ist, so hat er den ortsansässigen Polizisten Volker Aufstrich bald im Schlepptau. Aufstrich ist eher einer der ungelernten Polizisten und hat, abgesehen von ein paar Hühnerdieben, noch nicht viel Kriminalität zu bekämpfen gehabt.
Und so entwickelt sich der an und für sich lustige Polizisten-Roman, bei dem deftig und unverblümt über das Wesen dieser Spezies gedacht und gelacht werden darf, zu einem ausgewachsenen Kriminalroman, der, ganz Pratchett, seine ernste Seite in der auf die Scheibenwelt transferierten Sklavenhandel-Thematik findet.
Ein Mordfall an einem Goblin – die Anwohner wollen es nicht glauben, handelt es sich dabei doch ihrer Ansicht nach um kreationistischen Abfall – bringt den durchaus liberalen Ordnungshüter Mumm auf die Spur einer sehr bürgerlichen Komplizenschaft. Kommt uns das so unbekannt vor? Ich denke nicht.
Eben dies ist es, was mich immer und immer wieder diesem Autoren Terry Pratchett auf den Leim gehen lässt.

Terry Pratchetts Roman „Steife Prise“ wird in dieser Hörfassung von Jens Wawrczeck gelesen. Mit hörbarer Begeisterung lässt Wawrchzeck die Absurditäten dieser mysteriösen Scheibenwelt, die eben durchaus auch die Hier-Welt ist, lebendig werden.
Allein die Länge dieses Hörbuches mag ein wenig abschreckend wirken, denn zwei MP3-CDs mit einer Gesamtlänge von rund 940 Minuten sind schon ein gutes Stück Arbeit, selbst wenn man es als Freizeitbeschäftigung sieht. Aber, Sie dürfen es mir glauben, es lohnt sich!

"Steife Prise" von Terry Pratett ist im Hörverlag erschienen
2 MP3-CDs, Laufzeit ca. 940 Minuten
gelesen von Jens Wawrchzeck
ISBN: 978-3-86717-884-6
Preis: 17,99 Euro

(Shanghai Drenger)

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