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Kommentar

Kommentar vom 19.07.2007

Quäl dich du Sau! - ... mit diesen markigen Worten hatte einst ein berühmter deutscher Radprofi seinen Teamkollegen an einem Berg angefeuert. An einem sehr steilen Berg. Irgendwann waren beide auf dem Gipfel angekommen und konnten gemeinsam, nach der Zielankunft, ins Tal rollen. Ins Tal rollte auch in der vergangenen Woche der Telekom-Fahrer Patrick Sinkewitz, und mehr noch. Er prallte mit einem Zuschauer zusammen, stürzte und verletzte sich und den Zuschauer schwer. Er schied aus dem Rennen aus. Alle waren erleichtert, dass es ihm wieder besser geht. Doch tut es das wirklich?

Während Sinkewitz in einem Hamburger Krankenhaus wegen seiner Sturzverletzungen behandelt wird, veröffentlichte die Nationale Anti Doping Agentur NADA einen Trainingstest Sinkewitz`s, welcher Anfang Juni beim Margenta-Profi gemacht wurde. Resultat: positiv. Während man sich in den vergangenen Monaten nur darüber wundern darf, welches Erschrecken die eine oder andere Dopingbeichte der Spitzenradler hervorruft, dass in diesem Sport mehr als anderswo gedopt wird, ist mehr als eine Vermutung, versucht die deutsche Medienöffentlichkeit den Saubermann zu spielen.

Nach Bekanntwerden des Falles Sinkewitz haben die öffentlich-rechtlichen Fernsehanstalten keine andere Reaktion in der Reserve als die Live-Übertragungen abzusetzen. "Bis zur Klärung des Falles", wie es heißt. Dass diese Klärung, nicht zuletzt auf Grund Sinkewitz`s Sturzblessuren, gut bis zum Ende der diesjährigen Tour de France auf sich warten lassen kann, dürfte auch klar sein.

Angesichts des Willens der Sendeanstalten nur "sauberen Sport" übertragen zu wollen, ist diese Reaktion in Ordnung und nachvollziehbar. Unverständlich bleibt hingegen, wer letztendlich damit diszipliniert werden soll. Die Zuschauer etwa, die sich diesem "schmutzigen" Sport mit so viel Begeisterung hingeben? Einer Begeisterung, die es Jahr für Jahr rechtfertigt, Wochen lang, Tag für Tag, das altersgerechte Nachmittagsprogramm über den Haufen zu werfen? Wäre es nicht erstens sinnvoller, den mitverantwortlichen Sponsoren der Rennställe die rote Karte zu zeigen? Schließlich sind die es, die immer mehr und mehr Leistung von den Athleten verlangen. Denen geht es am wenigsten um den Sport. Wichtig sind die werbenden Siegertypen und Siegen, resp. Werbung - hat eben einen Preis. Warum übt zweitens niemand Druck auf die sakrosankten Tour-Organisatoren aus, die die Routen alljährlich mit immer spektakuläreren Hindernissen pflastern? Müssen es unbedingt vier Berge der höchsten Kategorien sein, die auf dem Weg liegen? Reichen nicht auch zwei? Müssen die Etappen unbedingt 200 km lang sein? Wäre es sportlich nicht spannender sie bei km 120 zu beenden? Schon deshalb, weil mehr Starter mit um den Sieg fahren könnten.

Dies alles läge in der Macht der öffentlich-rechtlichen Fernsehstationen. Doch es ist zu vermuten, dass solche Schritte nicht abrechnungsfähig sind. Denn nicht nur beim Radsport arbeitet man mit speziellen Sponsoren zusammen.
Es bleibt also alles beim Alibi: wir haben reagiert, mehr kann man nicht machen. Die Panik-Pädagogen von ARD und ZDF haben gesprochen: "Benehmen sich zwei nicht richtig, bleibt die ganze Klasse zuhause!"

Die Zuschauer haben die Musik zwar bestellt und bezahlt, über die Auslieferung der Bestellung entscheiden aber offensichtlich andere.

(Shanghai Drenger)

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