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Kommentar

Kommentar vom 01.10.2013

Ist Gleichstellung verfassungswidrig? - Mehr Gleichberechtigung für Frauen? Och nö, es reicht langsam. Das finden zumindest zwei Drittel aller deutschen Männer. Zu diesem Ergebnis kommt eine Studie des Instituts für Demoskopie Allensbach, die am Montag in Berlin vorgestellt wurde. Fast 30% finden sogar, bei der Gleichberechtigung werde jetzt schon übertrieben.
In Auftrag gegeben hat die "große Männer-Studie" die Illustrierte Bild der Frau. Die Befragung sollte zeigen, wie Männer die zunehmende Auflösung der traditionellen Rollenverteilung bewerten.
Besonders tief scheint der Graben zwischen den Geschlechtern noch immer bei der Hausarbeit zu sein. Auch bei Paaren, bei denen beide Vollzeit arbeiten, sagt fast jeder zweite Mann, dass seine Partnerin den größeren Teil der Familienarbeit erledige. Junge Paare unterscheiden sich dabei kaum von älteren, am wenigsten übernehmen Männer zwischen 35 und 49 Jahren im Haushalt.
Die Gründe, die dafür wohl daheim angeführt werden, zeigen die Antworten auf eine weitere Frage: 76 Prozent der Befragten beiderlei Geschlechts sind sich sicher, dass Frauen besser bügeln können als Männer. Auch Wäsche waschen, Fenster und Bad putzen sind Tätigkeiten, bei denen jeweils etwa 60 Prozent glauben, dass Frauen dafür ein natürliches Talent besäßen.
Tauschen will übrigens kaum ein Mann: Nur sechs Prozent wären der Umfrage zufolge in einem nächsten Leben gern eine Frau. Fast jeder Dritte findet: Männer haben es leichter.
Witzigerweise haben sich im Netz wesentlich mehr Männer als Frauen über die Ergebnisse dieser Studie aufgeregt. Warum? Ist sie etwa falsch? Oder sind Männer in sozialen Netzwerken bessere Menschen? Oder dachten sie, dass das von ihnen erwartet wird?
Ich glaube, das Problem ist, so banal das klingt, die Kommunikation. Zum einen werden hier Begriffe vertauscht. Nämlich Gleichberechtigung und Gleichstellung.
Der Begriff der Gleichberechtigung wurde bereits 1949 ins Grundgesetz der Bundesrepublik Deutschland  geschrieben. Er gehört zum unveränderlichen Kernbestand der Grundrechtsnormen, und er lautet:
Art 3 GG, Absatz 2
„Männer und Frauen sind gleichberechtigt. Der Staat fördert die tatsächliche Durchsetzung der Gleichberechtigung von Frauen und Männern und wirkt auf die Beseitigung bestehender Nachteile hin.“
Der Begriff der Gleichstellung taucht hier gar nicht auf, und er ist somit kein verfassungs-rechtlicher Begriff. Wäre er aufgetaucht, dann gäbe es ein logisches Problem: Falls die Begriffe gleichzusetzen sind, dann wäre der Begriff der Gleichstellung redundant und damit überflüssig.
Hätten sie aber eine unterschiedliche Bedeutung, dann wäre der Begriff der Gleichstellung unzulässig, weil er im Widerspruch zur Gleichberechtigung stünde. Denn eine Quotenregelung für Frauen beispielsweise dient der Gleichstellung, bevorzugt zu diesem Zweck aber die Frauen. Kritiker der Quoten behaupten gar, sie diskriminiere sie.
Gleichstellungsmaßnahmen werden dagegen regelmäßig mit dem Hinweis auf die Unterrepräsentanz von Frauen gerechtfertigt. Die Unterrepräsentanz wird dabei wie selbstverständlich als eine Folge der Diskriminierung von Frauen angesehen.
Die Tatsache, dass es Frauen gibt, die keine Lust auf Aufsichtsrats-Posten haben, die nicht nach Macht gieren, die ihr Leben nicht in Chefetagen irgendwelcher Firmen verbringen wollen, wird dabei ignoriert.
Frauen sind vielleicht einfach klüger als Männer und wissen, dass Karriere nicht glücklich macht. Reich vielleicht. Deshalb verdienen Frauen meist weniger Geld. Aber eben nicht, wenn sie genau die gleichen Jobs machen wie Männer.
Das Problem ist, Frauen sind anders als Männer. Sie sehen anders aus, denken anders, kommunizieren anders. Daran ist auch gar nichts auszusetzen.
Es geht darum, dass die Gesellschaft besser funktioniert, wenn alle Menschen ihre besonderen Stärken einbringen. Wenn aber auch niemand ausgeschlossen wird. Und genau das verlangt das Gesetz zur Gleichberechtigung. Alle sollen die gleichen Möglichkeiten haben.
Und was die Hausarbeit betrifft: Alle in unserer Familie hassen Bügeln. Und alle hassen Jäten. Aber beides muss gemacht werden. Wenn ich also freiwillig bügle und mein Liebster dafür jätet, hat das nichts mit Rollen-Klischees zu tun. Sondern damit, dass ich schlauer bin. Denn beim Bügeln muss ich mich nicht bücken, werd nicht dreckig und kann sogar noch nebenbei fernsehen.
Und da sind wir wieder bei der Kommunikation. Ich habe beispielsweise die Zeit, als die Kinder ganz klein waren, sehr genossen. Nie vorher oder nachher hatte ich so viel Zeit für mich. Und so ging es vielen Frauen. Nur leider haben die Männer das rausgekriegt. Nicht umsonst gehen immer mehr Väter in Elternzeit. Nicht, weil sie emanzipiert mit neuen Rollenbildern hantieren, sondern, weil sie gemerkt haben, dass es Spaß macht.
Und genau so gibt es Frauen, denen macht es Spaß, Firmen zu leiten. Und sie machen das großartig. Schwierig wird es doch erst dann, wenn die einen oder die anderen gezwungen sind, ihre Wahl zu rechtfertigen. Und solange das so ist, gibt es eben hierzulande noch nicht genug Gleichberechtigung. Egal, was die neue Studie behauptet.

Literatur:
Buchholz; Günter (2012), Kritik der Gleichstellungspolitik – Von der Frauenemanzipation zur Frauenprivilegierung: Brauchen wir ein Frauenquote? In: Schulze, Harald/Steiger, Torsten / Ulfig, Alexander, Qualifikation statt Quote – Beiträge zur Gleichstellungspolitik, Norderstedt 2012, S. 57 – 69
Danisch, Hadmut (2012), Frauenquote – Wie die Gender-Ideologie Politik Wissenschaft, Recht und Verfassung unterwandert, Unterföhring
http://www.wgvdl.com/

(Grit Hasselmann)

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